Anatol

von Arthur Schnitzler
Regie: Luk Perceval


Anatol lebt für die Liebe, aber findet kein Glück. Auf der Suche nach dem größten aller Gefühle trifft man ständig auf Enttäuschung. Die Angst vor der Untreue, körperlich oder nur in Gedanken, ist eine ständige, alles überschattende Qual. Wenn der Partner sich vielleicht schon wieder neu verliebt hat, insgeheim einer verflossenen Liebe nachtrauert oder gar noch mit jemand Anderem verheiratet ist, wird er einen am Ende verlassen, und dann ist es besser, man verlässt selbst, sofort. Lieber gehen als zurückgelassen werden, lieber betrügen als betrogen werden, lieber Schmerz zufügen als verletzt werden. Letztendlich entpuppt sich jede Beziehung als kurzlebige Affäre, und die eine Liebschaft ist kaum zu Ende, bevor die nächste beginnt. Doch mit jeder Enttäuschung wird die Hingabe schwieriger und die Vereinsamung größer…

In Luk Percevals Fassung von Schnitzlers Beziehungsreigen ist Anatol eine Frau umgeben von Männern: zutiefst einsam, getrieben von der Sehnsucht nach Nähe, nach einer Liebe, die wie die Wahrheit, vielleicht nicht existiert. Gefangen in ihren Ängsten und Zweifeln, wählt sie mit jedem neuen Mann einen, der seinen Vorgängern ähnelt, um mit ihm die gleichen Beziehungsmuster zwanghaft zu wiederholen bis Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft identisch, und Anfang und Ende der Liebe austauschbar ist.