Betrunken genug zu sagen ich liebe dich

von Caryl Churchill
Regie: Benedict Andrews


Deutsch von Maja Zade
Deutschsprachige Erstaufführung

Sam hat eine Vision: Er will die Welt regieren. Mit unbändiger Energie stürzt er Regierungen, manipuliert Wahlen und untergräbt die Ökonomie anderer Länder, bis er so reich und so mächtig ist, dass er seine Feinde kaltstellen und sich seine Freunde aussuchen kann. Jack verfällt Sams jugendlichem Charme und verlässt Frau und Kinder, um mit dem Geliebten zusammen zu sein. Er will ihm bei der Arbeit helfen, und tatsächlich lernt er schnell und hat nützliche Einfälle. Bald arbeitet das Paar rund um die Uhr und genießt das Zusammensein. Für die beiden ist das Spiel mit der Weltherrschaft der ultimative Kick – und gemeinsam macht es doppelt so viel Spaß wie allein. Allerdings setzen sich die Macht- und Manipulationsspiele in ihrer Beziehung fort: Sam verlangt bedingungslose Hingabe von Jack, dem es schwer fällt, sich von allen anderen Menschen abzukapseln. Hinzu kommt, dass sich bei Jack zunehmend Gewissensbisse regen, denn die Eingriffe in die Weltpolitik haben oft schreckliche Folgen…

In acht kurzen Momentaufnahmen mit elliptischen Satzfragmenten zeigt Caryl Churchill die Entwicklung einer Beziehung von anfänglicher Euphorie über Eifersucht und Streit bis zum Leben mit Kompromissen. Doch »Betrunken genug zu sagen ich liebe dich?« ist kein gewöhnliches Beziehungsdrama, sondern eine politische Allegorie, denn Sam ist ein Land und Jack ein Mann, und das Stück beschreibt die Beziehung zwischen Amerika und Westeuropa. Es ist eine Liebesaffäre, in der privater und öffentlicher Raum, Politik und Sex eins sind, eine Affäre, die in eine fatale Abhängigkeit mündet.

Regie: Benedict Andrews
Bühne und Kostüme: Magda Willi
Musik: Malte Beckenbach
Dramaturgie: Maja Zade
Licht: Kathrin Kausche

Mit: Ulrich Hoppe, Rafael Stachowiak