Das wohltemperierte Klavier

Musiktheater nach Johann Sebastian Bach
unter Verwendung des Romans »Melancholie des Widerstands« von László Krasznahorkai
Regie: David Marton


Koproduktion mit der MC93 Bobigny

Als im 17. Jahrhundert Andreas Werckmeister die wohltemperierte Stimmung erfand, eröffnete sich den Komponisten ein neues Feld der Möglichkeiten. Erstmals konnten Tasteninstrumente nun in allen Tonarten spielen. Fast mathematisch präzise lotet »Das wohltemperierte Klavier« von Bach dieses Spektrum in allen Facetten aus: zwölf Halbtöne, kombiniert in Dur oder in Moll, als Präludium oder Fuge. 48 Grundkonstellationen des Kosmos. Für David Marton bildet diese musikalische Struktur das Fundament eines Theaterabends. Was als Inbegriff eines absoluten Universums der Klänge erscheint, verbirgt eine konkrete Geschichte voll von menschlichen Dramen und Querelen. Ihre Gestalt findet sie in László Krasznahorkais Roman »Melancholie des Widerstands«, dessen heutige und doch heimlich von barocken Obsessionen durchzogene Welt um »Das wohltemperierte Klavier« und die Werckmeister-Harmonien kreist. Wie die Figuren des Romans sehnen sich elf Personen auf der Bühne nach einer kosmischen Ordnung in einer Gesellschaft, die sich in schleichendem Zusammenbruch befindet. Ähnlich wie die Töne von Bachs Komposition treffen bei Marton die Figuren zusammen: als seien sie Klaviertasten, die ihr Universum in allen Kombinationen durchspielen, ohne feste Verbindung finden zu können. Eine Gemeinschaft von einsamen Halbton-Existenzen, die trotz des Systemzwangs nach Freiheit und eigenem Tonfall suchen.

Dauer: ca. 120 Minuten


Gastspiele

Paris (Januar und Februar 2012)