Iphigenie auf Tauris

von Johann Wolfgang von Goethe
Regie: Jossi Wieler


Für Thomas Mann gab es, bevor er die Partitur von »Tristan und Isolde« sah, nur ein perfektes Kunstwerk in der Welt: Goethes »Iphigenie auf Tauris«. Die beängstigende Ausgewogenheit, in die Goethe den blutigen Mythos der letzten Nachkommen des Tantaliden Geschlechts gebracht hat, provoziert jede Epoche neu, sich über das Verhältnis von Barbarei und Kunst zu verständigen. Die Handlung ist bis zur Unverständlichkeit grausam. Die Sprache, in der diese Gewalt sich vollzieht, ist bis zur Unverständlichkeit hochgestimmte Weltliteratur.
Iphigenie lebt nach ihrer wundersamen Rettung vor der Opferung durch ihren Vater im feindlichen Tauris. Dort regiert ein grausames Gesetz, dass den Tod jedes Fremden befiehlt. Im laufe der Jahre ihrer dortigen Gefangenschaft gewinnt Iphigenie das Herz des Herrschers Thoas und kann als Priesterin für die Gestrandeten Gnade erwirken. Doch Thoas will sich mit der Milde seiner gefangenen Priesterin nicht mehr begnügen, er fordert ihre Liebe nun ganz für sich. Zugleich wird die Gefangennahme zweier Männer verkündet, deren baldige Opferung der Preis sein soll, wenn Iphigenie sich länger seinem Begehren entzieht. Die Gefangenen, Orest und Pylades, sind auf der Flucht vor den Rachegöttinnen, die den Muttermord an Orest rächen wollen. Die lange getrennten Geschwister, Iphigenie und Orest, erkennen sich hinter den Masken ihrer Leiden nur mühsam wieder. Gemeinsam entwerfen sie einen Plan, wie sie aus der Gefangenschaft ihrer blutigen Familiengeschichte ebenso wie aus der Gefahr, von Thoas getötet zu werden, entfliehen können.
In den schönsten Jamben der deutschen Literatur entfaltet sich die Geschichte der gefangenen Kinder, die in einer Welt leben, in der Goethes Weimar in der Nachbarschaft von Buchenwald liegt.

Autor: Johann Wolfgang von Goethe
Regie: Jossi Wieler
Bühne: Jens Kilian
Kostüme: Anja Rabes
Musik: Biber Gullatz
Dramaturgie: Bernd Stegemann
Licht: Erich Schneider

Iphigenie: Judith Engel
Thoas, König der Taurier: Burghart Klaußner
Orest: Ernst Stötzner
Pylades: Urs Jucker
Arkas: Thomas Bading

Dauer: ca. 180 Minuten