21.09.2015, 19.30

Streit ums Politische: »Heimatloser Antikapitalismus? Ein Durchgang durch die Konjunkturen einer flottierenden Idee«

Claus Leggewie im Gespräch mit Heinz Bude


Herr B. engagierte sich gegen Bankenmacht, Managerarroganz und ungerechten Welthandel und betrachtete sich als Antikapitalist. Herr B. erbleichte, als Leute in seinem Viertel, die Hitler verehrten, dasselbe forderten. Waren seine Forderungen deswegen falsch?

Antikapitalismus ist eine heimatlose, frei flottierende Ambition, die ihren politischen Ort sucht. In den USA agitiert Bernie Sanders gegen Wall Street, in Großbritannien Jeremy Corbyn gegen die City of London. Wo wäre da eine deutsche Entsprechung? Und wenn »Zahlungsfähigkeit« das Nonplusultra heutiger Gesellschaften ist, die sie nicht gewährleisten können, gibt es dann postkapitalistische Alternativen zum Geld?
Vortrag und Diskussion behandeln die Herkunft und die Stationen des heimatlosen Antikapitalismus bis in die Gegenwart.

Claus Leggewie, geb. 1950, ist Ludwig-Börne-Professor  an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) Essen. 2015 erschienen seine Erinnerungen »Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie«, in denen er seine Schreib-, Lehr-, Reise- und Bewegungserlebnisse Revue passieren lässt. Stationen waren unter anderem Köln, Paris, Göttingen, Algier, Gießen, Wien, Sarajewo, New York, the West Coast und die Metropole Ruhr. Im Zweifel links, aber nie dort, wo es Zentralkomitees verorten wollten. Demnächst erscheint »Zukunftsräte. Wie Bürger die Politik zurückerobern« (mit Patrizia Nanz).

Die neue Serie in der Reihe Streit ums Politische beschäftigt sich mit den Entstehungsgründen und Ausdrucksformen des ›heimatlosen Antikapitalismus‹, den manche fürchten, auf den manche aber auch hoffen. An vier Abenden im September und Oktober diskutiert Heinz Bude mit seinen Gästen.


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