12.09.2016, 19.30

Streit ums Politische: »Europa – Anfang und Ende«

Heinz Bude im Gespräch mit dem Soziologen Ulrich Bielefeld


Deutschland und mit ihm andere europäische Nationalstaaten waren zerstört. Sie konstituierten sich im europäischen Kontext neu. So jung die Nationalstaaten sind, sie betonen historisch ihre lange Dauer und entwerfen sich in die Zukunft; so gespalten sie politisch und sozial sind, sie betonen Einheit und Souveränität. Das Europa der Gesellschaft nach 1945 ist vor allem auf Gegenwart bezogen. Es hat einen Anfang und es kann ein Ende haben. Einzelne Staaten können austreten und ausgeschlossen werden. Ein Ende ist vorstellbar, die beständig notwendige Einigung kann scheitern. Zudem fehlt die Fiktion eines existierenden oder zu machenden europäischen Volkes. An die Stelle des Souveräns tritt die nicht verpflichtende Solidarität. Europa ist nicht-existentielle Gesellschaft – und eben deshalb erhaltenswert. 

Die neue Serie in der Reihe »Streit ums Politische« beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Endspielen Europas. Warum sind die Europäer so wütend, so verzagt und so hilflos? Handelt es sich dabei um eine Fehlwahrnehmung von Leuten, die ins Scheitern verliebt sind, oder um ein realistisches Bild einer europäischen Bevölkerung, die ihrer politischen Elite misstraut? Darüber diskutiert Heinz Bude an vier Abenden mit seinen Gästen, den Anfang macht der Soziologe Ulrich Bielefeld.

Ulrich Bielefeld ist seit 1988 Soziologe am Hamburger Institut für Sozialforschung, wo er den Arbeitsbereich »Nation und Gesellschaft« leitete. Er interessiert sich für Migration und Ethnizität, für die Bildung von politischen Kollektiven und veröffentlichte zuletzt einen Text zu »Europa: Vergesellschaftung jenseits des Nationalstaats«.

»Streit ums Politische« ist eine politische Diskussionsreihe mit Heinz Bude an der Schaubühne Berlin, die zur Spielzeit 2011/12 ins Leben gerufen wurde.


In Kooperation mit: