03.04.2016, 12.00

Streitraum: Antisemitismus in Europa

Carolin Emcke im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit, Agnes Heller und Stefanie Schüler-Springorum


Nicht erst seit den Anschlägen auf das Jüdische Museum in Brüssel und den koscheren Supermarkt in Paris stellt sich die Frage nach dem Antisemitismus in Europa. Die Begegnung mit judenfeindlichen Ressentiments und Vorurteilen, Diskriminierung und hasserfüllten Pöbeleien, ob in den sozialen Netzwerken im Internet oder auf der Straße, gehören für viele europäische Juden zu alltäglichen Erfahrungen. Welche ideologischen Motive und welche sozialen Milieus bedingen oder erleichtern den Antisemitismus in Ungarn, Frankreich oder Deutschland? Welche strukturellen Parallelen, aber auch welche Unterschiede lassen sich ausmachen? Welche Rolle spielt der Nahost-Konflikt als Ableiter oder Alibi für Antisemitismus? Aber vor allem: Wie lässt sich dem Antisemitismus in Ungarn, Frankreich oder Deutschland begegnen? Mit welchen bildungspolitischen, juristischen oder auch ästhetischen Strategien lässt sich der europäische Antisemitismus bekämpfen?

Agnes Heller studierte Philosophie an der Universität Budapest und promovierte 1955 bei Georg Lukács. Von 1978–83 war sie Soziologie-Professorin an der La Trobe University in Melbourne. 1987 übernahm sie die Hannah Arendt Professur in Philosophie an der New School for Social Research in New York. 2001/02 war sie Fellow des Weimarer Kollegs Friedrich Nietzsche zum Thema »Zur Theorie der Modernität«. Zu ihren Veröffentlichungen zählen »Der Renaissance-Mensch« (1966), »Das Alltagsleben« (1970), »Individuum und Praxis« (1975), »Theorie der Gefühle« (1980) und »Ist die Moderne lebensfähig?« (1995). Für ihre politisch-theoretische Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Lessing-Preis der Stadt Hamburg, den Hannah-Arendt-Preis der Stadt Bremen, den Sonning Preis und den Concordia Preis.

Stefanie Schüler-Springorum studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Ethnologie und Politikwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen und an der Universidad Central de Barcelona. 1994 erhielt sie den Preis der Universität Bochum für ihre Dissertation zur »Geschichte der Jüdischen Gemeinde Königsberg von 1871-1945«. Anschließend arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung »Topographie des Terrors«. Von 2001–11 war sie Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg; im Jahre 2007 erfolgte dort ihre Ernennung zur Professorin. Seit 2009 ist sie die Vorsitzende der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts in Deutschland, seit 2011 Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin.

Daniel Cohn-Bendit wurde bekannt als Wortführer der aufbegehrenden Pariser Studenten im Mai 1968. Nach seiner Ausweisung aus Frankreich engagierte er sich in der Frankfurter Spontiszene, führte im Stadtmagazin »Pflasterstrand« die Auseinandersetzung mit dem Links-Terrorismus und gehörte seit den frühen 80er Jahren dem Realo-Flügel der Grünen an. Von 1989–97 führte er das erste Amt für Multikulturelle Angelegenheiten. Von 1994– 2014 gehörte Cohn-Bendit dem Europaparlament an, für das er abwechselnd in Deutschland und Frankreich kandidierte und für die Grünen jeweils Spitzenergebnisse erzielte. Veröffentlichungen zuletzt mit Guy Verhofstadt »Für Europa. Ein Manifest« (2012). Cohn-Bendit ist u. a. Träger des Hannah-Arendt-Preises und des Theodor-Heuss-Preises.


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