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Prospero

Die Schaubühne Berlin hat sich mit folgenden europäischen Theatern zum Theaternetzwerk Prospero zusammengeschlossen:

Théatre National de Bretagne - Rennes (Frankreich)
www.t-n-b.fr
Théatre de la Place - Liège (Belgien)
www.theatredelaplace.be
Emilia Romagna Teatro Fondazione - Modena (Italien)
www.emiliaromagnateatro.com
Fundação Centro Cultural de Belém - Lissabon (Portugal)
www.ccb.pt
Tampereen Yliopisto / Tutkivan Teatterityön Keskus - Tampere (Finnland)
www.uta.fi


Sechs große Theaterorganisationen aus sechs verschiedenen Ländern haben sich zu dem Projekt »Prospero« zusammengetan, um Kunst und Kultur überall in Europa zu fördern. Getreu ihrem Prinzip »Eine Stadt, ein Theater, eine Schule« verknüpfen sie ihre unterschiedlichen künstlerischen Neigungen und verbinden ihre Produktionsressourcen und ihr gemeinsames Erbe, aber auch ihre individuellen Besonderheiten, um einen ehrgeizigen Auftritt zu verwirklichen: ein Kulturabkommen (2008-2012), das die Entwicklung europäischen Kulturschaffens, die Umsetzung theoretischer Ansätze und die Ausbildung junger Schauspieler zum Ziel hat. Zusammen werden sie weitaus mehr erreichen als einzeln, da sie auf die Fähigkeiten eines Typus von Künstlern zurückgreifen können, die über Jahrhunderte leidenschaftliche Reisende waren - und damit europäische Bürger und Botschafter der Menschheit.

Sechs Städte, ein Projekt, ein gemeinsames Theater

Kultur ist eine treibende Kraft der Gesellschaft. Die kulturelle Dimension sollte ein zentraler Bestandteil der europäischen Entwicklung sein und ein der Antrieb der europäischen Einigung, die nicht nur notwendig, sondern auch wünschbar ist. Wie schon die Renaissance bewiesen hat, sind Künstler Botschafter der Menschheit. Sie können eine Reihe von Tabus aufgreifen und daran teilhaben, ein Europa der Kunst und Kultur aufzubauen, das demokratisch, sozial und weltoffen ist.

Eine Reihe von zentralen Entscheidungsträger, ultraliberalen Wirtschaftsmanagern, Multiplikatoren und Soziologen zielen darauf ab, den Tod der lebendigen künstlerischen Aufführung zu proklamieren, vergleichbar den heute toten Sprachen. Diese Art der Proklamation ist sich jedoch nicht der Spannkraft der europäischen Theaterszene bewusst, die darauf aus ist, Teil einer Politik zu werden, die sich auf »die lebendigen Kulturen der europäischen Mitgliedstaaten« stützt, die ihre Eigenarten anerkennt und zugleich ihr gemeinsames Erbe betont.

Die Leiter von sechs Einrichtungen haben sich entschieden, ihre Stärken zu vereinen, um ihre Arbeit auf einer gesamteuropäischen Ebene weiterzuentwickeln und eine neue künstlerische und kulturelle Zusammenarbeit zu beginnen.

Das Théâtre National de Bretagne (Rennes, Frankreich), Leiter des europäischen Projekts, das Théâtre de la Place (Lüttich, Belgien), die Emilia Romagna Teatro Fondazione (Modena, Italien), die Schaubühne (Berlin), das Centro Cultural in Belém (Lissabon, Portugal) and das Tutkivan Teatterityön Keskus (Tampere, Finnland) verbinden sich, um diese Idee durch die Mobilität der Schauspieler und durch Kulturaktivitäten zu entfalten und die Verbreitung ihrer Arbeit zu fördern. Diese Zusammenarbeit wird um Partnerschaften mit Lettland (das Theater Riga unter dem künstlerischen Leiter Alvis Hermanis) und Polen erweitert (unter dem Leiter Krzysztof Warlikowski).

Die Leiter dieser Institutionen bringen ihre jeweiligen Ressourcen zur Projektdurchführung ein, um ein Kulturabkommen zur Förderung europäischer Kreativität, europäischer Forschung und europäischer Ausbildung zu schließen.

Dieses Projekt, das fünf Jahre dauern soll (2008-2012), heißt Prospero.

Prospero ist die Frucht von zwei Jahren Arbeit und Diskussionen zwischen den Mitgliedsinstitutionen. Sie hatten allerdings bereits enge Verbindungen und eine gemeinsame Basis, bevor das Netzwerk gegründet wurde: Einige der Leiter der sechs Gründungsmitglieder kennen einander gut und die meisten von ihnen haben bereits zusammengearbeitet. Sie alle teilen ein Bedürfnis für gemeinsame Unternehmungen.

So lud das Théâtre National de Bretagne (TNB) La Societas Rafaëllo Sanzio ein, das von Romeo Castellucci inszeniert und von der Emilia Romagna Teatro Fondazione koproduziert wurde. Das TNB koproduzierte auch zusammen mit der Motus company, die ebenfalls von der Emilia Romagna Teatro Fondazione unterstützt wurde, das auf Pasolinis »Teorema« beruhende Stück »L’Ospite«. Das TNB lud schließlich auch sechs Produktionen der Schaubühne ein: »Disco pigs« von Enda Walsh, »Feuergesicht« von Marius von Mayenburg, »Nora« und »Hedda Gabler« von Henrik Ibsen, »Anéantis« von Sarah Kane and »Unter Eis« von Falk Richter.

Die Emilia Romagna Teatro Fondazione (ERT) wiederum lud »Jardineria Humana« ein, das von Rodrigo Garcia am TNB inszeniert wurde, einem Autor und Regisseur, der auch vom Théâtre de Liège als Teil des Programms Ecole des Maîtres eingeladen wurde. Die Theater von Modena und Lüttich arbeiteten ebenfalls zusammen, so etwa für Eimuntas Nekrosius’ »Faust« und für Pippo Delbonos »Questo Buio Feroce«. Das ERT ist auch regelmäßiger Gastgeber für Inszenierungen aus Tampere.

Das Théâtre de la Place in Lüttich war Gastgeber von »Long Life« von Alvis Hermanis und »Dibbouk« in der Regie von Krzysztof Warlikowski ein, dessen nächste Schöpfung »Orestie« von Lüttich ko-produziert und auf dem Festival von Avignon 2009 gezeigt werden wird.

Einige der genannten Künstler haben ihre Inszenierungen am Centro Cultural de Belém gezeigt, das auch mit dem Lütticher Théâtre de la Place für das Projekt von Thierry Salmon, die Nouvelle Ecole des Maîtres (2004-2006), zusammenarbeitete.

Die Emilia Romagna Teatro Fondazione, das Théâtre de la Place, das Théâtre National de Bretagne und das Centro Cultural de Belém sind alle Mitglieder von IRIS, der südeuropäischen Assoziation für zeitgenössisches Kunstschaffen.

Prospero beinhaltet drei Aktionsformen:

a) Die Kreativität in Europa befördern

  • Jährlich eine größere Inszenierung durch einen Gastregisseur in einem der Länder und ihre Tournee. Das Théâtre National de Bretagne hat dieses Format mit Henrik Ibsen’s »John Gabriel Borkman« in der Regie von Thomas Ostermeier während seiner am TNB in Rennes bereits praktiziert.
  • Jährliche Unterstützungen für Inszenierungen durch Regisseure oder ihre Associates. Die Emilia Romagna Teatro Fondazione setzte dieses Format am 3. Dezember 2009 in Modena mit »La Menzogna« von Pippo Delbono bereits um.
  • Unterstützung für sechs junge Regisseure, die von den sechs teilhabenden Institutionen ausgewählt werden, mit Kursangeboten und Gastaufenthalten in den Gastländern. Das Théâtre de la Place in Lüttich macht mit dieser Art von Unterstützung durch »S.P.R.L.« von Jean-Benoît Ugeux einen Anfang.

b) Europäische Forschung etablieren
c) Junge Schauspieler ausbilden

Prospero möchte zeigen, dass Kunst und Kultur eine starke Kraft für den Aufbau Europas sind, ein Faktor der Kreativität, des Dialogs und des Zusammenhalts.

Durch die Verbreitung und den Austausch von Kultur, durch zahlreiche Begegnungen mit dem Publikum unterschiedlicher Länder und durch den Dialog zwischen Kunstschaffenden, Forschern und Politikern ist dieses Kulturabkommen eine konkrete Manifestation des Gemeinschaftsgeistes und zeigt Europa in Aktion und Kreativität.