Streit ums Politische 2017/18: »Raus, auf die Straße.«

Kann Politik vor dem Bildschirm zu Hause stattfinden? Reicht der Klick, reicht der ungezügelte Kommentar auf einem Blog, reicht ein Bild auf Twitter? Nach klassischer Auffassung operiert das Politische mit der Unterscheidung von Privatem und Öffentlichem. Politisch wird es, wenn man private Belange zu einer öffentlichen Angelegenheit macht. Das passiert aber nicht nur im Kopf. Dazu muss man raus gehen: auf den Marktplatz der Polis, auf eine Straße in der Stadt oder auf den Platz vor dem Theater. Draußen trifft man andere Leute, mit denen einen auf den ersten Blick nichts verbindet. Aber wenn man sich in der Öffentlichkeit trifft, kann daraus ein politisches Geschehen werden. Das Politische ist dann nicht eine separate Veranstaltung, die in einem spezifischen institutionellen Rahmen stattfindet, sondern vermischt sich mit dem Alltäglichen und kann so zur Energie eines Kollektiven werden. Aber was heißt das heute, wenn die Marktplätze zu Malls, die Straßen zu verkehrsberuhigten Zonen und Plätze zu stadtästhetischen Inszenierungsorten geworden sind? Das Politische beginnt damit, dass sich Körper und Stimmen berühren und sich daraus die Vorstellung von etwas Gemeinsamen ergibt. Das Politische, das draußen stattfindet, vermischt die Deliberation der Bürger mit dem Gemurmel der Leute und manchmal entsteht daraus der Ruf eines »Wir«. »Wir sind das Volk«, »Wir wollen alles!«, »Wir gehen in den Ich- Streik«. So kann das Politische kollektiv und konkret werden. Allerdings muss eine so verstandene Praxis des Politischen sich heute in Konkurrenz setzen mit anderen Formen der öffentlichen Versammlung: mit den spektakulären Spielen des Sports und des Pop, mit dem Public Viewing und mit den verschiedenen Aktionen von Zwischennutzungen im städtischen Raum. Auch das kann alles politisch werden, offenbar jedoch nur dann, wenn irgendeine Idee des Allgemeinen ins Spiel kommt. Was das bedeutet, wie man das macht und welcher Sinn von Öffentlichkeit daraus hervorgeht, soll Thema der vier Abende sein, an denen Heinz Bude jeweils mit seinen Gästen Gesa Ziemer, Sylke Tempel, Christoph Menke und Gunnar Hindrichs diskutiert. Wer das Politische will, muss sich raus auf die Straße wagen.

Heinz Bude ist Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel. Er beschäftigt sich mit den Veränderungen sozialer Ungleichheit und was das für die Selbstgegebenheit von Gegenwartsgesellschaften bedeutet. 2014 ist »Gesellschaft der Angst« erschienen, 2016 »Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen«.

Vom Reden zum Handeln. Konstruktive Öffentlichkeiten im komplexen Kräftefeld der Stadt

Heinz Bude im Gespräch mit Gesa Ziemer
Am 25. September 2017

Wer ist dann da auf der Straße?

Heinz Bude im Gespräch mit Sylke Tempel

Am 16. Oktober
Veranstaltung muss wegen Todesfall entfallen

Auf der Suche nach dem Allgemeinen

Heinz Bude im Gespräch mit Christoph Menke
Am 20. November 2017

Philosophie der Revolution

Heinz Bude im Gespräch mit Gunnar Hindrichs
Am 11. Dezember 2017

 

In Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung