»Der gute Mensch von Sezuan«
von Bertolt Brecht. Musik von Paul Dessau
Regie: Friederike Heller (ca. 165 min.)
Regie: Friederike Heller (ca. 165 min.)
Premiere war am 21. April 2010
In der chinesischen Provinz Sezuan besuchen geheimnisvolle »Erleuchtete« die Erde, um in einer von Egoismus geprägten Gesellschaft gute Menschen zu finden. Sie wollen beweisen, dass man als Mensch »gut sein und dennoch leben« kann, und bleiben zunächst erfolglos. Erst bei der Prostituierten Shen Te werden sie fündig. Großzügig bietet sie den Fremden ein Nacht quartier an. Als sie am nächsten Morgen von ihren Geldsorgen berichtet, bezahlen diese für ihr Nachtquartier ein kleines Vermögen. Shen Te befreit sich aus der Prostitution und kauft einen Tabakladen. Doch der Handel will nicht florieren, stattdessen quartieren sich zahlreiche ungebetene Gäste ein; die Miete will bezahlt sein und die Rechnungen türmen sich. Der Laden droht in den Ruin zu gehen. Da taucht Shui Ta, ein unbekannter Vetter auf. Er ist ein cleverer Geschäftsmann, der unpopuläre Entscheidungen trifft und die Misere, in die Shen Tes Güte geführt hat, abwenden kann. Die vorherigen Schmarotzer werden von ihm als abhängige Lohnarbeiter eingestellt. Der Laden läuft, doch Shen Te scheint verschwunden.
Die Arbeiter werden argwöhnisch und beschuldigen Shui Ta, Shen Te ermordet zu haben. Die Sache geht vor Gericht. Während des Prozesses gesteht Shen Te, dass sie sich Shui Ta erfunden hat, um nicht zu Grunde zu gehen. Die Umstände waren so, dass sie als guter Mensch kein gutes Leben führen konnte.
Am Anfang überprüften die »Erleuchteten« die Welt, ob in ihr noch genügend gute Menschen leben, damit sie nicht untergehen muss. Am Ende steht die schlecht eingerichtete Welt selbst vor Gericht, die jeden guten Menschen zwingt, seine schlechte Hälfte über sich regieren zu lassen. Brechts Arbeit am »guten Menschen« zieht sich über 15 Jahre. Er nimmt sich in den unterschiedlichen Etappen seines künstlerischen Schaffens und Stationen seiner Emigration immer wieder dieses Stoffes an, dessen theatralische Faszination von der Doppelrolle Shen Te / Shui Ta ausgeht, in der sich die Dialektik eines guten Wollens in einer schlechten Welt offenbart. Zeitgleich zu Adornos Verdikt, dass es kein richtiges Leben im falschen gebe, führt Brecht seine Shen Te durch die Paradoxien ihres eigenen Anspruchs an ein gelungenes Leben. Ob unsere Gegenwart die Widersprüche zwischen der individuellen Moral und den Mechanismen des Marktes aufgehoben hat oder nur geschickter verschleiern konnte, kann im Brechtschen Modell über die Kosten der Arbeit und die Armut des unfrei seine Arbeitskraft verkaufenden Lohnabhängigen erkundet werden.
In der chinesischen Provinz Sezuan besuchen geheimnisvolle »Erleuchtete« die Erde, um in einer von Egoismus geprägten Gesellschaft gute Menschen zu finden. Sie wollen beweisen, dass man als Mensch »gut sein und dennoch leben« kann, und bleiben zunächst erfolglos. Erst bei der Prostituierten Shen Te werden sie fündig. Großzügig bietet sie den Fremden ein Nacht quartier an. Als sie am nächsten Morgen von ihren Geldsorgen berichtet, bezahlen diese für ihr Nachtquartier ein kleines Vermögen. Shen Te befreit sich aus der Prostitution und kauft einen Tabakladen. Doch der Handel will nicht florieren, stattdessen quartieren sich zahlreiche ungebetene Gäste ein; die Miete will bezahlt sein und die Rechnungen türmen sich. Der Laden droht in den Ruin zu gehen. Da taucht Shui Ta, ein unbekannter Vetter auf. Er ist ein cleverer Geschäftsmann, der unpopuläre Entscheidungen trifft und die Misere, in die Shen Tes Güte geführt hat, abwenden kann. Die vorherigen Schmarotzer werden von ihm als abhängige Lohnarbeiter eingestellt. Der Laden läuft, doch Shen Te scheint verschwunden.
Die Arbeiter werden argwöhnisch und beschuldigen Shui Ta, Shen Te ermordet zu haben. Die Sache geht vor Gericht. Während des Prozesses gesteht Shen Te, dass sie sich Shui Ta erfunden hat, um nicht zu Grunde zu gehen. Die Umstände waren so, dass sie als guter Mensch kein gutes Leben führen konnte.
Am Anfang überprüften die »Erleuchteten« die Welt, ob in ihr noch genügend gute Menschen leben, damit sie nicht untergehen muss. Am Ende steht die schlecht eingerichtete Welt selbst vor Gericht, die jeden guten Menschen zwingt, seine schlechte Hälfte über sich regieren zu lassen. Brechts Arbeit am »guten Menschen« zieht sich über 15 Jahre. Er nimmt sich in den unterschiedlichen Etappen seines künstlerischen Schaffens und Stationen seiner Emigration immer wieder dieses Stoffes an, dessen theatralische Faszination von der Doppelrolle Shen Te / Shui Ta ausgeht, in der sich die Dialektik eines guten Wollens in einer schlechten Welt offenbart. Zeitgleich zu Adornos Verdikt, dass es kein richtiges Leben im falschen gebe, führt Brecht seine Shen Te durch die Paradoxien ihres eigenen Anspruchs an ein gelungenes Leben. Ob unsere Gegenwart die Widersprüche zwischen der individuellen Moral und den Mechanismen des Marktes aufgehoben hat oder nur geschickter verschleiern konnte, kann im Brechtschen Modell über die Kosten der Arbeit und die Armut des unfrei seine Arbeitskraft verkaufenden Lohnabhängigen erkundet werden.
Besetzung
Autor
Regie
Bühne und Kostüme
Musikalische Einrichtung
Dramaturgie
Licht
Musiker
Thomas Leboeg
Peter Thiessen
Sebastian Vogel
Peter Thiessen
Sebastian Vogel







