Die Spielzeit 2010/11 an der Schaubühne
Wir beginnen die Spielzeit mit den Berlin-Debüts zweier international bekannter Regisseure.Der belgische Regisseur und Intendant der Toneelgroep Amsterdam Ivo van Hove eröffnet die Spielzeit im September mit »Der Menschenfeind« von Molière. Lars Eidinger spielt den Alceste, die Celimène ist Judith Rosmair und Corinna Kirchhoff kehrt in der Rolle der Arsinoé als Gast an die Schaubühne zurück. Ivo van Hove war 2008 bei den Wiener Festwochen mit Shakespeares »Römische Tragödie« zu sehen und auf der Ruhrtriennale mit Viscontis »Rocco und seine Brüder«. Er inszenierte Cassavetes’ »Opening Night« und 2010 in einer Koproduktion mit der Ruhrtriennale Pasolinis »Teorema«.
Auch die britische Regisseurin Katie Mitchell inszeniert zum ersten Mal in Berlin: »Fräulein Julie« frei nach August Strindberg. Zusammen mit dem Videokünstler Leo Warner erzählt sie das Stück in einem live auf der Bühne entstehenden Film. Dafür arbeitet sie mit Schauspielern des Ensembles der Schaubühne zusammen; mit dabei sind u.a. Jule Böwe, Tilman Strauß, Niels Bormann und Laura Tratnik. Katie Mitchell war Hausregisseurin der Royal Shakespeare Company und am Royal Court Theatre in London. Sie arbeitete als Opernregisseurin an der Königlichen Oper Kopenhagen und der English National Opera. Ihre Inszenierung von Luigi Nonos »Al gran sole carico d’amore« wurde bei den Salzburger Festspielen gefeiert. Mit »Wunschkonzert« von Franz Xaver Kroetz am Schauspiel Köln war sie 2009 zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Im Oktober sehen Sie Thomas Ostermeiers Inszenierung »Othello« von William Shakespeare. Das Stück hat im August beim »Hellenic Festival« im Amphitheater von Epidaurus Premiere. Den Othello spielt Sebastian Nakajew, der seit letzter Spielzeit Mitglied des Ensembles ist (zuletzt als Franz Biberkopf in »Berlin Alexanderplatz«). Eva Meckbach ist Desdemona. Iago wird von Stefan Stern gespielt, als seine Frau Emilia sehen wir - neu im Ensemble - Laura Tratnik. Thomas Bading spielt Brabantio. Die Bühne hat Jan Pappelbaum entworfen.
Nach ihrer Produktion »Trust« führen Falk Richter und Anouk van Dijk ihre Zusammenarbeit fort. Der Autor und die Choreographin lassen die Erschöpfung der Krise hinter sich und wenden sich voller Energie dem Aufbruch zu: »jetzt will ich endlich wieder leute sehen, die handeln«. Ein neu geschriebenes, sich fortwährend veränderndes Projekt mit Schauspielern und Tänzern.
Hausautor und Regisseur Marius von Mayenburg zeigt im November in einer Uraufführung sein neues Stück »Perplex«, das er für vier Schauspieler des Ensembles geschrieben hat.
Mit dabei ist auch der Regisseur Volker Lösch, der mit seinem »Berlin Alexanderplatz« an der Schaubühne letztes Jahr für Aufsehen sorgte. Diesmal knöpft er sich »Von morgens bis mitternachts« von Georg Kaiser vor. Die Geschichte eines kleinen Kassierers, der eines Morgens seine eigene Bank ausraubt und danach verzweifelt durch die Großstadt irrt. Volker Lösch wird wieder mit einem Laienchor arbeiten. Gesucht werden Menschen, die extreme Erfahrungen mit Geld gemacht habe und diese Geschichten erzählen wollen. Das Casting beginnt nach der Sommerpause.
Im Januar 2011 zeigen wir die »Die Heimkehr des Odysseus« von Claudio Monteverdi. Eine Produktion mit Sängern und Schauspielern. Text von Marius von Mayenburg. Regie führt der ungarische Regisseur David Marton, der zum ersten Mal an der Schaubühne inszeniert.
Die Regisseurin Friederike Heller wird im Februar »Antigone« von Sophokles inszenieren. Wessen Wahrheit ist die richtige: Die des einzelne Mensch, gegründet auf seine Überzeugung oder die der Gemeinschaft, vertreten durch ihre Regierung? Und gibt es sie überhaupt noch: die Überzeugung – die Gemeinschaft – die Regierung – die Wahrheit?
Im April wird Constanza Macras mit ihrer Kompanie DorkyPark ein Tanzstück mit dem Arbeitstitel »Berlin« aufführen.
Michael Thalheimer arbeitet zum ersten Mal mit dem Ensemble der Schaubühne und zeigt im Mai »Die Macht der Finsternis« von Leo Tolstoi. Die russische Zensur hatte Tolstois erstes Stück lange verboten, bis es endlich Konstantin Stanislawski gelang, eine Aufführung dieser schwarzen Seelen zu zeigen. Ein großer Triumph des Naturalismus, an dem er nach eigener Meinung gerade deswegen gescheitert ist.
Im Studio sehen Sie im Dezember eine Inszenierung des isländischen Regisseurs Egill Heidar Anton Pálsson.
In einer Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« inszeniert Peter Kleinert im Januar »Nachtasyl« von Maxim Gorki im Studio.
Peter Kleinert hat 2007 »Personenkreis 3.1« von Lars Noren mit Schauspielstudenten am BAT Studiotheater in Berlin gezeigt. Diese theatralische Erkundung soll mit »Nachtasyl« im Studio der Schaubühne mit dem 3. Jahrgang der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« fortgesetzt werden.
Im Februar wird Patrick Wengenroth wieder mit einer Inszenierung im Studio zu sehen sein.
Und außerdem:
In der Woche vom 18.-23. September ist das Internationale Literaturfestival Berlin bei uns zu Gast. Die Schaubühne präsentiert unter anderem Autoren wie Vladimir Sorokin, Dietmar Dath und Dobravka Ugresic in Lesungen und Gesprächen.
Es freut uns, dass nach dem großen Erfolg von »Dritte Generation« die Kooperation mit dem israelischen Habima National Theater weitergeht: das Projekt »The Future Strikes Back«, das durch Mittel der Bundeskulturstiftung aus dem Fond »Wanderlust« finanziert wird, soll über ein Jahr entwickelt werden. Die Regisseurin Yael Ronen wird sich diesmal dem besonders im Nahen Osten hochsensiblen Thema Religion annähern. Die zwölf Schauspieler ihres Ensembles sind jüdische Israelis, christliche Deutsche, muslimische und christliche Palästinenser, die mit israelischem Pass in Israel leben. Daraus wird eine in Koproduktion erarbeitete neue Inszenierung entstehen, die in beiden Ländern gezeigt wird. Premiere ist im Sommer 2011.
Im März 2011 wird es wieder das Festival Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.) an der Schaubühne geben. Wir zeigen die neuesten Entwicklungen in der internationalen dramatischen Literatur. Zum ersten Mal arbeitet das F.I.N.D. dabei mit EUNIC zusammen, einem Zusammenschluss von 15 Kulturinstituten europäischer Staaten in Berlin.
Der Streitraum widmet sich in der nächsten Spielzeit dem »Mythos Aufklärung« und nimmt sich dabei zweier aktuell geführter Debatten an: der Debatte um den Islam und der Debatte um den sexuellen Missbrauch. Dabei interessiert uns vor allem die Schnittstelle zwischen den beiden Diskursen, die Frage über Islam und Sexualität.
Mehr Informationen finden Sie in unserer Premierenzeitung unter www.schaubuehne.de. Für Interviewanfragen wenden Sie sich gerne an Johanna Lühr, um noch vor der Spielzeitpause (11. Juli bis 25. August 2010) Gesprächstermine zu vereinbaren.
Vorschau auf die Produktionen der Spielzeit 2010/11
(Änderungen vorbehalten)
»Der Menschenfeind« von Molière
Regie: Ivo van Hove
Premiere am 19. September 2010
»Fräulein Julie« frei nach August Strindberg,
Regie: Katie Mitchell und Leo Warner
Premiere am 25. September 2010
»Othello« von William Shakespeare
Regie: Thomas Ostermeier
Premiere am 6. August 2010 in Epidaurus
Premiere in Berlin am 9. Oktober 2010
Berlin 2010/Falk Richter/Anouk van Dijk (Arbeitstitel)
Regie & Choreographie Falk Richter und Anouk van Dijk
Premiere am 27. Oktober 2010
»Perplex« von Marius von Mayenburg,
Regie: Marius von Mayenburg
Premiere am 20. November 2010
»Von morgens bis mitternachts« von Georg Kaiser
Regie: Volker Lösch
Premiere am 9. Dezember 2010
»Die Heimkehr des Odysseus« von Claudio Monteverdi, Text Marius von Mayenburg
Regie: David Marton
Premiere im Januar 2011
»Antigone« von Sophokles
Regie: Friederike Heller
Premiere im Februar 2011
»Berlin« (Arbeitstitel)
von Constanza Macras
Koproduktion mit DorkyPark
Premiere im April 2011
»Die Macht der Finsternis« von Leo Tolstoi
Regie: Michael Thalheimer
Premiere im Mai 2011
Im STUDIO
Eine Inszenierung von Egill Heidar Anton Pálsson
Premiere im Dezember 2010
Ein Projekt der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«
»Nachtasyl« von Maxim Gorki
Regie: Peter Kleinert
Premiere im Januar 2011
Eine Inszenierung von Patrick Wengenroth
Premiere im Februar 2011
+++NEU DABEI+++
...im Schauspielensemble
Laura Tratnik, 1983 in Frankfurt am Main geboren, studierte Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin. Während ihres Studiums stand sie am Deutschen Theater Berlin als Lucile in »Dantons Tod« von Georg Büchner (Regie: Christoph Mehler) sowie am BAT-Studiotheater als Gertrud in Shakespeares »Hamlet« (Regie: Jan Gockel) auf der Bühne. Nach ihrem Studium wurde sie Mitglied des »Berliner Ensemble«, wo sie mit Claus Peymann (»Frühlings Erwachen« von Frank Wedekind), Andrea Breth (»Blaue Spiegel« von Albert Ostermaier), Phillip Tiedemann (»Der Parasit« von Friedrich Schiller), Thomas Langhoff (»Nachtasyl« von Maxim Gorki) und Simone Blattner (»Das Käthchen von Heilbronn« von Heinrich von Kleist) arbeitete. An der Schaubühne wird sie zuerst als Emilia in Thomas Ostermeiers »Othello«-Inszenierung zu sehen sein.
Christoph Gawenda, Jahrgang 1979, studierte von 2001 bis 2005 an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Im Frühjahr 2004 belegte er einen Workshop an der State Theatre Arts Academy in St. Petersburg. Nach seinem Studium wurde er ins Ensemble des »Staatstheater Stuttgart« engagiert. Hier arbeitete er u.a. mit den Regisseuren Friederike Heller, Volker Lösch, Michael Thalheimer, Hasko Weber, Thomas Dannemann und Arpad Schilling zusammen.
