Spielzeit-Kampagne 2021/22 von Katharina Sieverding


Nach den Bildenden Künstlern Christian Jankowski, John Bock und Olaf Nicolai wurde die aktuelle Spielzeit-Kampagne der Schaubühne von der mehrfachen documenta-Teilnehmerin Katharina Sieverding gestaltet. Die Künstlerin arbeitet seit über fünf Jahrzehnten im Medium der Fotografie, deren vielfältige künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten sie früh erkannt und erweitert hat. Überblendung, Überlagerung und Mehrfachbelichtung sind Mittel, die sie auch für ihre Projektionen und Installationen einsetzt. Sie beschäftigt sich mit den großen Fragen und Konflikten unserer Zeit, darunter Flüchtlingspolitik, Opfer-Täter-Konstellationen, Widerstand, Identität, Gender und zwischenmenschliche Beziehungen.

Bekannt wurde Katharina Sieverding in 60er-Jahren mit ihren seriellen, filmisch und fotografisch transformierten Selbstporträts. Ab den 1970er-Jahren nutzt sie hauptsächlich das Prinzip der Montage für ihre meist großformatigen Arbeiten zu aktuellen politischen Ereignissen. Für die Spielzeit-Kampagne der Schaubühne wählte sie Detailaufnahmen aus Arbeiten der letzten vierzig Jahre aus. Auch in diesen zehn Arbeiten werden multiple, farbig invertierte Bildebenen überlagert, die neue Zusammenhänge herstellen. Darin spiegelt sich ihre Haltung zu den herrschenden politischen Verhältnissen, Identitätsfragen, zur Bildrhetorik von Medien, wissenschaftlicher Theorie und Praxis.

Sieverding wurde 1941 in Prag geboren. Erst studierte sie Medizin, dann Kunst in Hamburg, brach beides ab und ging zu Gustaf Gründgens ans Hamburger Schauspielhaus. Dort wurde sie Volontärin im Malersaal. Sie arbeitete mit dem Regisseur Fritz Kortner zusammen und folgte ihm ans Burgtheater nach Wien. 1967arbeitete sie gerade am Bühnenbild von »Die Zauberflöte«, als Benno Ohnesorg in Berlin ermordet wurde. Da beschloss Sieverding aus der Hochkultur auszusteigen und bei Joseph Beuys in Düsseldorf zu studieren, dessen Meisterschülerin sie wurde.

Ihre Arbeiten wurden in unzähligen Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt, unlängst als große Retrospektive in den Deichtorhallen Hamburg/ Sammlung Falckenberg. Sie war sowohl mehrfach auf der documenta in Kassel (1972, 1977, 1982) als auch auf der Biennale in Venedig (1976, 1980, 1995, 1997, 1999) vertreten wie auch auf anderen Biennalen weltweit (Paris, Sydney, Shanghai, Busan/Südkorea, Palermo). Sieverdings Arbeiten werden in zahlreichen renommierten Sammlungen präsentiert, u. a. im Museum of Modern Art, New York, im San Francisco Museum of Modern Art, im Stedelijk Museum, Amsterdam, und in der Nationalgalerie, Berlin. Von 1992 bis 2010 leitete Sieverding den von ihr gegründeten Lehrstuhl »Visual Culture Studies« an der Universität der Künste in Berlin. Zwischen 1995 und 2007 lehrte sie an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg und hatte weitere Gastprofessuren in Deutschland, Osteuropa, China und den USA inne.

Die Bilder der Kampagne finden Sie im Spielzeitheft der Schaubühne (hier als PDF zu sehen), im Haus und als großflächige Plakatierung über eine Spielzeit hinweg im Stadtraum Berlin.