06.01.2022 > Schaubühne arbeitet mit Jugendlichen zum Thema Rechtsruck in Deutschland

In Kooperation mit dem Piccolo Kinder- und Jugendtheater Cottbus entsteht das Format mit dem Titel »stolpern«

Die Schaubühne beschäftigt sich seit langem auf unterschiedlichen Ebenen mit dem gesellschaftlichen Rechtsruck. Nun arbeitet die Theaterpädagogik des Hauses, in Kooperation mit dem Piccolo Kinder- und Jugendtheater Cottbus, über mehrere Monate hinweg mit Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren zu diesem Thema. Ausgangspunkt für das städteübergreifende künstlerisch-partizipative Format mit dem Titel »stolpern« sind die »Stolpersteine«, eine Arbeit des Künstlers Gunter Deming, mit der er an in der NS-Zeit verfolgte Menschen erinnert. Die Pflastersteine sind nicht nur in Berlin und Cottbus, sondern seit nun 30 Jahren in vielen Städten europaweit zu finden. Begleitet von einem ausführlichen theaterpädagogischen Vermittlungsprogramm, das Workshops, eine Materialmappe und Publikumsgespräche beinhaltet, gehen die Jugendlichen den Biografien von Opfern des Nationalsozialismus nach und stellen in eigenen Texten Bezüge zur Gegenwart her, die die Grundlage für eine theaterpädagogische Stückentwicklung bilden. Dabei soll auf der Bühne nicht nur die gemeinsame Geschichte, sondern auch die gemeinsame Verantwortung verhandelt werden: Was passiert nach dem Stolpern? Wie können wir uns als Gesellschaft wieder fangen? Welche Schritte sind dafür notwendig? Die Städte Cottbus und Berlin werden in der theaterpädagogischen Stückentwicklung »stolpern« zum Ausgangspunkt einer theatralen Untersuchung und zum Sinnbild einer Gesellschaft, die im Kontext eines politischen Rechtsrucks mehr und mehr auseinanderzufallen droht. Die Premieren des so entstehenden Stücks sind für Juni 2022 geplant.

Darüber hinaus stehen zwei Diskursformate auf dem Spielplan der Schaubühne, die sich inhaltlich mit dem theaterpädagogischen Projekt verbinden lassen: Mit dem Format »Transatlantische Gespräche« zum Thema »Neofaschismus« entsteht an zwei Nachmittagen im Februar ein einzigartig direkter Gedankenaustausch zwischen Gästen aus Wissenschaft, Politik, Medien und Aktivismus, die live in New York und in Berlin miteinander diskutieren. Es moderieren Carolin Emcke, Publizistin und Autorin, und Daniel Mendelsohn, Leiter der New York Review of Books. Für die Gesprächsreihe »Klassenzimmer – Woher kommst du wirklich?« macht sich wiederum die Journalistin Vanessa Vu auf eine persönliche Suche durch das Deutschland der Gegenwart und fragt nach der Wirkmacht sozialer Herkunft.

Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert. Dr. Andrea Despot, Vorstandsvorsitzende der Stiftung EVZ, lobt den Ansatz des Projekts: »Jugendliche folgen den Spuren von NS-Opfern, stellen Bezüge zur Gegenwart her und fragen nach Erinnerung und Verantwortung – das Projekt ›stolpern‹ bringt die Bildungsagenda NS-Unrecht in herausragender Weise auf die Bühne.«

 

Key Facts »stolpern« 

Regie: Mai-An Nguyen (Schaubühne), Matthias Heine (Piccolo Theater Cottbus)
Bühne: Ulla Willis
Dramaturgie: Marcus Tesch
Premiere: 10. Juni 2022 (Cottbus), 17. Juni 2022 (Berlin)

 

Zeitplan / Meilensteine

Erstes Treffen der Projektgruppen: 18. November 2021 in Cottbus
Workshop: 18-19. Dezember 2021 in Cottbus
Transatlantische Gespräche: 5. und 6. Februar in Berlin
Klassenzimmer: 26. Januar 2022 in Berlin
Recherchefahrt Gedenkstätte Buchenwald: 16.-18. Januar 2022
Schreibworkshop mit Ewe Benbenek: 29. Januar 2022 in Berlin
Proben: wöchentlich, Donnerstag 18-22 Uhr, Berlin & Cottbus

 

 

Biografien – Regie und Theaterpädagogik

Mai-An Nguyen
1989 in Cottbus geboren und aufgewachsen machte sie ihre ersten und prägendsten Theatererfahrungen am Piccolo Theater Cottbus. Nach dem Abitur studierte sie Theaterpädagogik an der Hochschule Osnabrück. Ihr Weg führte sie von ihrem Erstengagement an der neuen Bühne Senftenberg (2014-2017) über das Maxim Gorki Theater (2017-2019) an die Schaubühne am Lehniner Platz, wo sie mittlerweile die Leitung der Theaterpädagogik inne hat.

 

Matthias Heine
wurde 1979 in Cottbus geboren. Nach dem Abitur studierte er Sozialpädagogik und Kulturmanagement. Der stellvertretende Theaterleiter des Piccolo Theaters Cottbus arbeitet dort als Theaterpädagoge, Schauspieler und Regisseur. Den Jugendklub des Hauses leitet er seit 15 Jahren und erhielt in dieser Tätigkeit drei Mal den Deutsche Amateurtheaterpreis, 2012 den Brandenburger Jugendkulturpreis und zuletzt 2019 den Theaterpreis des Bundes (für das Piccolo Theater und die Inszenierung »KRG.«). Außerdem wurde er mit verschiedenen Arbeiten zum Bundestreffen Jugendclubs an Theatern und zum Theatertreffen der Jugend (Berliner Festspiele) eingeladen.

 

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