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16.01.2020 > Schaubühne veröffentlicht Festivalprogramm des FIND

Vom 11. bis 22. März zeigt das Festival Internationale Neue Dramatik (FIND) Arbeiten von u. a. Serebrennikov, Liddell und Rau.

In der 20. Ausgabe des Festival Internationale Neue Dramatik (FIND) widmet sich die Schaubühne vom 11. bis 22. März herausragenden neuen Arbeiten des Autor_innentheaters aus acht Ländern und drei Kontinenten. Unter dem Festivalmotto »Gegenbild und Gegenmacht« sind Inszenierungen eingeladen, deren Inhalte und Ästhetiken die herrschenden Strukturen hinterfragen. Seit 20 Jahren bietet das deutschlandweit einzigartige Festival dem Berliner Publikum die Möglichkeit, deutsche Erstaufführungen von Arbeiten internationaler Autor_innen zu besuchen. Das FIND ist inzwischen zu einem wichtigen Fixpunkt der internationalen Theaterfestival-Landschaft geworden. Im Jahr 2019 erreichte es rund 9.500 Besucher, was einer Auslastung von 98% entspricht. Das Festival wird in den Jahren 2020 bis 2023 vom Land Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert.

»Berlin ist ein großer Anziehungspunkt für Künstler_innen und Kreative aus aller Welt.
Metropolen mit einer solchen Ausstrahlung haben den Ehrgeiz, ein großes Theaterfestival zu etablieren und die wichtigsten zeitgenössischen Theaterproduktionen zu zeigen. Wir sind stolz und glücklich, dass wir es auch dank der Unterstützung des Senats geschafft haben, mit dem FIND diese Lücke, die Berlin trotz seines Rufes als Kunstmetropole hatte, zu füllen«, so Thomas
Ostermeier, Künstlerischer Leiter der Schaubühne.

In »Outside«, der neuesten Inszenierung von Kirill Serebrennikov (Moskau), dem es trotz jahrelangem Hausarrest in Russland gelang, weiter Regie zu führen, spiegeln sich eigene Erfahrungen der Repression in der Figur des chinesischen Fotografen Ren Hang. Dessen Werke porträtieren eine neue chinesische Generation in ihrem rebellischen Lebenswillen und einer unangepassten Schönheit, im scharfen Kontrast zum staatlich verordneten Bild der Jugend.

Erstmals in der Geschichte des FIND ist 2020 eine Inszenierung aus Thailand zu sehen: Uthis Haemamool (Autor, Bangkok) und Toshiki Okada (Regie, Tokio) entwerfen in »Pratthana —
A Portrait of Possession
« anhand der Erlebnisse eines jungen Künstlers aus der Provinz ein breit angelegtes Panorama der künstlerischen Gegenkultur von Bangkok. In ihren Sex- und Drogenexzessen stellt diese sich gegen jedes Establishment. Die Chronik eines radikalen Exodus aus allen Institutionen in einen scheinbar freien Gegenkosmos, der sich angesichts der fortschreitenden Degeneration von Politik und Gesellschaft dennoch als Ort der Isolation erweist.

Die spanische Autorin, Regisseurin und Performerin Angélica Liddell (Madrid) war bereits 2017 und 2018 im Rahmen des FIND an der Schaubühne zu Gast. 2020 begibt sie sich mit
»The Scarlet Letter« in den Kosmos einer kunstfeindlichen Dystopie, die sich aus Elementen wie dem puritanischen 19. Jahrhundert in Amerika – Schauplatz des gleichnamigen Romans von Nathaniel Hawthorne – oder der Diktatur aus Truffauts »Fahrenheit 451« zusammensetzt: Sinnbild einer Gegenwart, in der Kunst und Philosophie ähnlich stigmatisiert werden wie im Puritanismus der Ehebruch. Und doch besitzen die Gebrandmarkten mit dem scharlachroten Buchstaben »A« – einst für »Adulteress«, heute für »Artist« – das Potenzial zum Bruch mit der totalitären Struktur.

In seiner neuesten Arbeit »Familie« hinterfragt Milo Rau (Gent) das Konstrukt der Familie und die auf ihm aufbauenden Wunsch- und Klischeebilder. Ausgehend von einem realen Fall – bei dem ein Elternpaar aus Calais sich und die beiden Kinder erhängte – konfrontiert uns Rau mit der Ratlosigkeit, die eine scheinbar unerklärliche Tat hinterlässt. Gemeinsam mit einer realen Familie, den beiden Schauspieler_innen und ihren Töchtern, rekonstruiert er die Ereignisse und forscht nach den zugrundeliegenden Ursachen und Traumata.

Mit »salt.« unternimmt die Autorin, Regisseurin und Performerin Selina Thompson (Birmingham) den Versuch, eine die offizielle Geschichtsschreibung widerlegende Gegengeschichte der Black British Identity zu schreiben, indem sie als mitreisende Passagierin an Bord eines Containerschiffs die Routen der Sklavenschiffe nachfährt, die ihre Vorfahren aus Ghana nach Jamaika deportierten. Rassismus und patriarchale Machtverhältnisse innerhalb der Schiffsbesatzung
machen sie zur Zeugin eines ungebrochen hegemonialen Apparats.

Aus dem Setting einer szenischen Lesung heraus entwickelt der junge kanadisch-amerikanische Autor, Regisseur und Musiker Christopher Brett Bailey (New York/London) in »THIS IS HOW WE DIE« eine von ihm selbst im Stil einer Beat-Poetry-Performance dargebotene, rasant-psychedelische Hommage an die Rebellion der Beatniks, die sich stets auf einem steilen Grat zwischen halluzinogenem Surrealismus, bitterböser soziologischer Satire und persönlichem Bekenntnis bewegt.

In »Meine kleine Antarktis« begibt sich das KnAM Theater (Komsomolsk am Amur) im äußersten Osten Russlands, mitten in der russischen Taiga, auf historische Spurensuche und entwirft aus dem geschichtlichen Widerspruch einer Stadt heraus das Porträt einer zutiefst verunsicherten, von Verdrängung und Spannungen zerrissenen postsowjetischen Gesellschaft.

In »Triple Threat« erzählt die Performerin Lucy McCormick (London) mit viel Popmusik und ausgeklügelten Choreografien das Neue Testament nach – mit sich selbst in allen Hauptrollen und zwei Backgroundtänzern als Unterstützung. So eignet sie sich schamlos eines der wohl heteronormativsten Narrative der westlichen Welt an und wandelt es um.

Nach »SAIGON« vor zwei Jahren kehrt Caroline Guiela Nguyen (Paris) mit »Mon grand amour« zum FIND zurück. Aufgeführt in einer privaten Berliner Wohnung wird das Theater dabei zum scheinbar hyperrealistischen Abbild der Wirklichkeit, der Geschichten von drei Menschen am Wendepunkt.

Teil des Festivals sind außerdem die Uraufführung von »Die Affen« von Marius von Mayenburg (Berlin) und »Qui a tué mon père« von Édouard Louis, das Thomas Ostermeier in einem try-out gemeinsam mit dem Autor auf die Bühne bringt. In diesem Experiment wird Édouard Louis erstmals als Performer einer seiner Texte auf der Bühne stehen. Der Abend ist eine Koproduktion mit dem Théâtre de la Ville Paris.

Aus dem neuesten Repertoire der Schaubühne ist zudem das von der Autorin Anne-Cécile Vandalem (Brüssel) selbst inszenierte Stück »Die Anderen« zu sehen. Diskursiv begleitet wird das Festival durch thematische Gesprächsrunden, unter anderem mit der politischen Philosophin Chantal Mouffe (London), die sich wie kaum eine andere Denkerin der Gegenwart mit den Konzepten von Gegenhegemonie und Gegenmacht auseinandergesetzt hat.

Beim Festival zu Gast sind zudem etwa 80 internationale Studierende des Programms FIND plus aus Belgien, Deutschland, Frankreich und den USA. In Masterclasses, Workshops und Vorstellungsbesuchen entsteht ein Dialog zwischen Theaterschaffenden von heute und morgen.

Das erfolgreich in der Stadt etablierte Festival wird die kommenden vier Jahre vom Land Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert.

Einen Überblick über das gesamte Programm und alle Veranstaltungen finden Sie hier.

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