26.06.2026 > Vorschau auf die erste Spielzeithälfte 2026/27 an der Schaubühne
Vorschau auf die erste Spielzeithälfte 2026/27 an der Schaubühne
Thomas Ostermeiers neueste Inszenierung »Stereophonic« von David Adjmi eröffnet die neue Spielzeit. Jaz Woodcock-Stewart arbeitet erstmals mit dem Ensemble der Schaubühne. Alexander Zeldin und Simon McBurney präsentieren neue Arbeiten. Erfolgreicher Abschluss der Spielzeit 2025/2026 mit einer Auslastung von fast 98 Prozent. Die temporäre Spielstätte Ku’damm 156 wird ausgebaut und eröffnet 2027.
Auch die kommende Spielzeit findet unter dem Druck weiterer drastischer Kürzungen im Kulturbereich statt. Die Schaubühne fordert die Politik mit Blick auf die anstehenden Wahlen im Herbst auf, sich ihrer Verantwortung für die Kultur bewusst zu werden. Die Kürzungen reduzieren das künstlerische Angebot, schwächen die kulturelle Teilhabe der Berliner Bevölkerung und gefährden Arbeitsplätze. Berlins Kultur ist Tourismusmagnet. In ihrer Vielfalt trägt sie maßgeblich zur Lebensqualität dieser Stadt bei.
Im Oktober zeigt Thomas Ostermeier die deutschsprachige Erstaufführung des in New York uraufgeführten Stücks »Stereophonic« von David Adjmi. Es spielt in den 1970er Jahren in einem kalifornischen Tonstudio, in dem eine Band ihr neues Album aufnimmt. Zwischen Euphorie und Erschöpfung, Liebe und Konkurrenz entsteht ein vielstimmiges Porträt gemeinsamer Arbeit an Kunst. Die Musik für das Stück wurde von Will Butler, Gründungsmitglied der Band Arcade Fire, komponiert und wird vom Ensemble live gespielt. Premiere ist am 7. Oktober 2026.
Die neue Inszenierung des britischen Autors und Regisseurs Alexander Zeldin »Antigone. Der Abschied« hat ebenfalls im Oktober Premiere. Ausgehend von Sophokles’ »Antigone« erzählt das Stück von zwei Schwestern und ihrem Onkel, die nach Jahren bei einem Begräbnis wieder aufeinandertreffen. Unverarbeitete Trauer und Vorwürfe prallen aufeinander, während die Familie über die Schatten der Vergangenheit in einen erbitterten Konflikt gerät. Premiere ist am 24. Oktober 2026.
Im Dezember zeigen wir die erste Arbeit der Regisseurin Jaz Woodcock-Stewart mit dem Ensemble der Schaubühne. Mit der deutschsprachigen Erstaufführung von Ava Picketts »1536« blickt sie in das England Heinrichs VIII. Drei junge Frauen in Essex erleben, wie Anne Boleyns Verhaftung und Hinrichtung als Ehebrecherin sich direkt auf ihren Alltag und ihre Beziehung untereinander auswirkt. Jaz Woodcock-Stewart war zuletzt mit »Die Glasmenagerie« zum diesjährigen Theatertreffen eingeladen. Premiere ist am 15. Dezember 2026.
Im Februar kehrt der Regisseur Simon McBurney mit »Das blinde Licht« nach dem Roman des chilenischen Autors Benjamín Labatut an die Schaubühne zurück. Das Stück erzählt von Wissenschaftlern, die mit den katastrophalen Folgen ihrer Entdeckungen leben müssen, und geht der Frage nach, wie diese unsere Gegenwart bestimmen. Die Arbeit entsteht in Koproduktion mit der Kompanie Complicité. Premiere ist im Februar 2027.
Auch in der kommenden Spielzeit gibt es wieder Raum für Diskurs und gemeinsames Nachdenken. Der Streitraum von und mit Carolin Emcke steht unter dem Motto »Prinzip Hoffnung oder: das (Un-)Mögliche denken«. Heinz Bude führt die Reihe »Streit ums Politische« weiter und untersucht diese Spielzeit »Die gekränkte Gesellschaft«.
Ku’damm 156
Seit Januar 2024 nutzt die Schaubühne die temporäre Spielstätte Ku’damm 156 im Erdgeschoss des Mendelsohn-Ensembles. In dem Rohbau waren verschiedene Inszenierungen und Veranstaltungsformate sowie internationale Gastspiele des Festival Internationale Neue Dramatik zu sehen. Ab Juli beginnt der Ausbau zu einer vielseitig nutzbaren Probebühne und einer neuen Studiospielstätte.
Neu im Ensemble
Wir freuen uns sehr, Moritz Gottwald zu Beginn der neuen Spielzeit wieder im Ensemble begrüßen zu dürfen. Er war von 2011 bis 2024 festes Mitglied und in zahlreichen Inszenierungen zu sehen. In der zweiten Spielzeithälfte kehrt Joachim Meyerhoff, der bereits von 2019 bis 2024 Mitglied des Ensembles war, zurück an das Haus. 2027 wird auch Laurenz Laufenberg, der bereits von 2014 bis 2023 fest am Haus war, wieder als Ensemblemitglied zurückkehren.
Ein Blick auf die Zahlen
Bis zum Ende der Spielzeit werden in der Schaubühne und bei Gastspielen in aller Welt insgesamt rund 190.000 Zuschauende erwartet, davon rund 144.000 Besucher_innen in Berlin. Das entspricht einer Auslastung von rund 97 Prozent. Beim Festival Internationale Neue Dramatik (FIND) im April 2026 konnte eine Auslastung von 99 Prozent bei über 8.300 Besucher_innen erzielt werden. Es haben insgesamt 593 Veranstaltungen stattgefunden, davon 488 in Berlin.
Gastspiele
Vergangene Spielzeit zeigte die Schaubühne 47 Gastspielvorstellungen an 17 verschiedenen Orten weltweit: Adelaide, Bologna, Florenz, Genf, Girona, Gütersloh, Katowice, Liège, Ludwigshafen, Madrid, Oslo, Riga, Rom, São Paulo, Shanghai, Tiflis und Toruń.
Mit »Michael Kohlhaas« und »Richard III.« setzte die Schaubühne im Herbst 2025 die enge Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern fort. Bereits 2024 war sie nach einer langen Pause mit Gastspielen von »Hamlet« und »Everywoman« nach China zurückgekehrt. Weit reiste auch »Im Herzen der Gewalt«. Die Inszenierung war zuerst in Adelaide und kurz darauf auf der Mostra Internacional de Teatro in São Paulo, der internationalen Theaterschau Brasiliens, zu sehen. Dort war auch »Qui a tué mon père (Wer hat meinen Vater umgebracht)« eingeladen. Die Gastspiele in der kommenden Spielzeit führen unter anderem nach Helsinki, Kaohsiung, Madrid, Montréal, Sceaux, Shanghai, Taichung und Wuzhen.
Spielzeitkampagne
Die neue Spielzeitkampagne 2026/27 der Schaubühne wurde von TOILETPAPER gestaltet, ein von Maurizio Cattelan und Pierpaolo Ferrari gegründetes Magazin und Kreativstudio, das für seine surrealen und irritierenden Bildwelten bekannt ist. Für die Schaubühne haben sie das Ensemble in den Mittelpunkt gestellt: Die Schauspieler_innen wurden jeweils in einem eigens für sie inszenierten Bild porträtiert. Die Umsetzung des Sets und das Styling erfolgten durch Kostüm, Requisite und Maske der Schaubühne.
Am Donnerstag, 10. September ab 18 Uhr, laden wir in Anwesenheit der Künstler und des Ensembles zu einer Bauzaun-Ausstellung aller Plakate der neuen Spielzeitkampagne auf den Vorplatz der Schaubühne.
Auszeichnungen
Thomas Ostermeiers Inszenierung von Maja Zades Stück »changes« wurde im Dezember 2025 mit dem Premio Ubu, dem wichtigsten Theaterpreis Italiens, ausgezeichnet. Ebenfalls im Dezember erhielt Édouard Louis‘ »Im Herzen der Gewalt« in der Regie von Thomas Ostermeier den kanadischen Theaterpreis Prix de la Critique. Im Juni 2026 gewann Ensemblemitglied Damir Avdić im Rahmen des KONTAKT Festivals in Toruń den von der Polnischen Genossenschaft der Bühnenkünstler (ZASP) gestifteten Zdzisław-Maklakiewicz-Preis. Er erhielt den Preis in der Kategorie »Beste Nebenrolle« für seine Rollen in »Glaube, Geld, Krieg und Liebe« in der Regie von Robert Lepage. 2025 wurde die Schaubühne für ihre Vorreiterfunktion beim Thema Nachhaltigkeit im kulturellen Bereich mit dem »Neumarkter Lammsbräu-Preis für Nachhaltigkeit« in der Kategorie »unternehmerischer Klimaschutz« ausgezeichnet. Der Preis würdigt das Engagement für eine umweltbewusste und verantwortungsvolle Theaterarbeit.