Das blinde Licht

von Benjamín Labatut
In einer Übersetzung von Thomas Brovot
Regie: Simon McBurney

Uraufführung

1909 entdeckt der deutsche Chemiker Fritz Haber ein Verfahren, mit dem sich Stickstoff aus der Luft gewinnen lässt, und wendet damit eine globale Hungersnot ab. Das Verfahren ermöglicht auch die industrielle Herstellung von Munition, was den Ersten Weltkrieg vermutlich um mehrere Jahre verlängert. 1916 liefert der Astrophysiker Karl Schwarzschild während seines Einsatzes an der Ostfront die erste genaue Lösung zu den Gleichungen, die Albert Einsteins Relativitätstheorie beschreiben. Seine Berechnungen belegen dabei die Existenz von Schwarzen Löchern, die alles in ihrem Radius unwiederbringlich verschlucken. 1967 beschließt der Mathematiker Alexander Grothendieck nach einem Besuch im vom Krieg gebeutelten Vietnam seiner bahnbrechenden Forschung den Rücken zu kehren und all seine bisherigen Berechnungen zur Vereinheitlichung der Mathematik zu zerstören – »zum Wohl der Menschheit«.

Benjamin Labatuts Roman »Das blinde Licht« zeigt Wissenschaftler, die an der Unbegreiflichkeit ihrer eigenen Entdeckungen beinahe zerbrechen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden naturwissenschaftliche Entdeckungen gemacht, die die bisherige Vorstellung von Materie, Zeit und Raum erschüttern. Sie lassen sich keineswegs nur als Teil einer zivilisatorischen Fortschrittserzählung lesen, sondern hängen ebenso eng zusammen mit den Kriegen, Totalitarismen und menschlichen Katastrophen, die Europa in der gleichen Zeit prägen.

Der Roman weist dabei direkt in unsere Gegenwart: Digitale Medien, künstliche Intelligenz und globale Krisen sind ohne die Entdeckungen von Einstein, Haber und Schwarzschild undenkbar. Welche Katastrophen säen heutige wissenschaftliche und technologische Innovationen, deren Folgen wir nicht absehen können? »Das blinde Licht« ist nach »Ungeduld des Herzens«  und »Michael Kohlhaas« die dritte Inszenierung von Simon McBurney an der Schaubühne und entsteht in Koproduktion mit der Kompanie Complicité.  

Autor: Benjamín Labatut
Regie: Simon McBurney
Bühne: Ulla Willis
Kostüme: Christina Cunningham
Sound: Giles Thomas
Video: Hayley Egan
Dramaturgie: Elisa Leroy
Licht: Matt Daw
Mitarbeit Regie: Christina Deinsberger
Dauer: ca. 0 Minuten

Premiere ist im Februar 2027

Koproduktion: Complicité