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Hearing

von Amir Reza Koohestani (Iran)
Regie: Amir Reza Koohestani


Gastspiel im Rahmen von FIND 2016

Der Frauen-Trakt eines großen Studentenwohnheims in Teheran ist Schauplatz von Amir Reza Koohestanis Inszenierung »Hearing«. Vergitterte Fenster, Schlösser an den Türen, Zäune rund um das Gebäude, einbruchssichere Glasscheiben und eine Wache am Besuchereingang machen es nahezu unmöglich, als Fremder in diese ausschließlich Frauen vorbehaltene Welt einzudringen. Dennoch wurde in der Silvesternacht die Stimme eines Mannes und Gelächter im Zimmer von Neda gehört. Gesehen hat den Mann niemand, allerdings gibt es einen Brief an die Heimleiterin, welcher von dem in dieser Welt skandalösen Vorfall berichtet. Die Heimleiterin verhört nacheinander die mögliche Zeugin Samaneh und die beschuldigte Neda. Der Zuschauer wird zum Zeugen und Richter in dem Verhör, in dem sich die Aussagen der beiden Mädchen immer verwirrender widersprechen, die Nachfragen immer repressiver werden. Auf verschiedenen Zeit- und Erzählebenen löst sich die Anhörung vom konkreten Kontext ab. Dabei zeichnet sich in der rigiden Kontrolle und Repression der Heimleiterin sowie des ganzen akademischen Systems und den Versuchen der Studentinnen, sich einen Rest Autonomie zu bewahren und in dieser Welt einen Platz zu finden, das Bild einer von Krieg und Unterdrückung geprägten Generation im Iran ab.

Amir Reza Koohestani, *1978 in Shiras
Autor, Regisseur und Schauspieler. Mit dem Stück »Dance on Glasses« (2001) erlangte er internationale Bekanntheit. Neben einer Vielzahl erfolgreicher Aufführungen in Europa und im Iran, inszenierte er auch das selbstverfasste Stück »Einzelzimmer« (2006) im Auftrag des Schauspielhaus Köln. Nach einem zweijährigen Studium in Manchester, kehrte er 2009 nach Teheran zurück und inszenierte »Where Were You on January 8th?«, mit dem er u. a. im Théâtre National de la Colline in Paris gastierte. In Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Mani Haghighi, verfasste er das Drehbuch für den Film »Modest Reception«, der u. a. 2012 auf der Berlinale gezeigt wurde. Seine Inszenierungen finden weltweite Anerkennung, wie »Timeloss«, das 2013 auf dem Festival actoral in Marseille uraufgeführt wurde. 2015 inszenierte er »Taxigeschichten« am Theater Oberhausen, eine Adaption der Erzählungen des iranischen Autors Naser Ghiasi.

>>> Englischsprachiger Essay zum Stück in Pearson's Preview: »Hearing« between the lines

Teaser

Regie: Amir Reza Koohestani
Regieassistenz: Mohammad Reza Hosseinzadeh
Bühne: Amir Reza Koohestani
Bühnenbildassistenz: Golnaz Bashiri
Kostüm: Negar Nemati
Kostümassistenz: Negar Bagheri
Musik: Ankido Darash, Kasraa Paashaaie
Sound: Ankido Darash
Licht: Saba Kasmaei
Kamera und Videodesign: Ali Shirkhodaei
Produzent, Company- und Tourmanager: Pierre Reis

Mit: Mona Ahmadi, Ainaz Azarhoush, Elham Korda, Mahin Sadri

Dauer: ca. 70 Minuten


Eine Produktion der Mehr Theatre Group in Koproduktion mit La Bâtie-Festival de Genève, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main, BOZAR-Centre for Fine Arts Brussels. »Hearing« wurde während einer Residenz an der Akademie Schloss Solitude (Oktober 2014 – März 2015) in Stuttgart geschrieben.