18.05.2022, 19.30 – 21.30
Livestream

6€ / erm. 3€

Klassenzimmer

»Woher kommst du wirklich?«
Vanessa Vu im Gespräch mit Francis Seeck
Saal B 


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Francis Seeck ist Sozialwissenschaftler_in, Antidiskriminierungstrainer_in und Expert_in für Klassismus; ein Begriff, der die Diskriminierung und Unterdrückung von Menschen aufgrund ihrer Klassenherkunft oder Klassenzugehörigkeit beschreibt. Seecks akademische wie aktivistische Arbeit ist geprägt von der eigenen Klassenbiografie: Die Eltern gingen in der DDR niedrig entlohnten Berufen nach und rutschten in der BRD in die Langzeiterwerbslosigkeit. Wichtiger war zuhause aber das Interesse für Musik, Subkultur und soziologische Bücher, die Mutter engagierte sich außerdem gegen die Hartz-IV-Reformen. Seeck bezeichnet die eigene Herkunft als »Armutsklasse« und sieht sich als »Straddler«: mit einem Fuß in der Armuts- und mit dem anderen in der »Aufsteiger_innenklasse«, nirgendwo richtig zuhause. Seecks Forderung: Klassengeschichten in all ihrer Komplexität erzählen, jenseits des Klischees. Wie kann das gelingen?

Die Frage nach der Herkunft beantworten die meisten geografisch – aber ist es wirklich der Ort, der uns prägt? Die wenigsten erzählen auf die Frage »Woher kommst du« von ihrer kleinen Wohnung, von den arbeitslosen Eltern, von Kleidern oder Worten, an denen jeder sofort ablesen konnte, aus welchen Verhältnissen man kam. Warum tun wir uns so schwer, Kapitalverhältnisse zu benennen und auch mit dieser Linse unser Miteinander neu zu bewerten, vielleicht zu justieren? Ist es die Sehnsucht einer liberalen, leistungsgetrieben Nachkriegsgeneration, das Leben ab der eigenen Geburt zu betrachten, ohne das Gepäck der Familie, das Startvorteil oder ein lebenslanger Bremsklotz sein kann? In der neuen monatlichen Gesprächsreihe gehen wir in vier Ausgaben diesen Fragen nach: Wir nähern uns über Lebensgeschichten den verschiedenen Milieus dieses Landes, erkunden ihre unbesprochenen Winkel, stellen sie gegenüber und erkennen uns dadurch vielleicht auch selbst ein bisschen besser. Zum Austausch lädt die Journalistin Vanessa Vu in ihr damaliges Kinderzimmer: Stockbett, Matratze, Röhrenfernseher, viel Plastik – nach einer langen Zeit im Asylbewerberheim war dies der Beginn eines sozialen Aufstiegs.

Bühnenbild: Felix Remme


In Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung

Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.

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