06.10.2021, 20.00 – 22.00   > Ticket

Auf Spanisch mit deutschen und englischen Übertiteln

Liebestod

(Madrid)
von Angélica Liddell
Regie: Angélica Liddell


Gastspiel im Rahmen von FIND 2021

Der Geruch nach Blut geht mir nicht aus den Augen
Juan Belmonte – Histoire(s) du Théâtre III

Mit ihrer neuesten Arbeit »Liebestod« bringt Angélica Liddell Richard Wagners Mythos und Musik zusammen mit der Geschichte des revolutionären und sagenumwobenenen Toreros Juan Belmonte. Sie setzt so ihre Suche nach Erhabenheit in der Tragik fort. Sie kritisiert eine Gegenwart, die den Bezug zu Spiritualität und zur Transzendenz zunehmend verliert zugunsten einer vermeintlich wohlmeinenden, an Versöhnung und Konsens orientierten Kultur.

Juan Belmonte (1892–1962), der »göttliche Stotterer« aus Sevilla, gilt als Erfinder des spirituellen Stierkampfes. Aufgrund seiner leicht deformierten Beine musste er eine neue Kampftechnik entwickeln; aufrecht und fast regungslos kämpfte er gefährlich nahe am Körper des Stiers und wurde zum größten Matador seiner Zeit, in legendärer Konkurrenz zu seinem Rivalen Joselito. Sein Satz »Man kämpft mit dem Stier, wie man ist« bringt seine Philosophie auf den Punkt. Aus seinem Selbstmord spricht jenes »Nicht-mehrleben- Können«, welches der Philosoph Emil Cioran auf den Höhen seiner Verzweiflung beschreibt. An Lungenkrebs erkrankt, nahm sich Belmonte 1962 wie sein Weggefährte und Bewunderer Ernest Hemingway mit der Pistole das Leben. »Liebestod« ist der Titel des Finales von Richard Wagners Oper »Tristan und Isolde« aus dem Jahr 1865 nach der keltischen Legende zweier unglücklich Liebender, die erst im Tod vereint werden. Das Wort »Liebestod « bezieht sich auf das Thema des erotischen Todes oder der »Liebe bis in den Tod«, der Vorstellung, dass die Vollendung der Liebe des Paares im oder sogar nach dem Tod stattfindet.

Beide Referenzen bringt Angélica Liddell in ihrer neuen Arbeit zusammen, Belmontes unablässige Suche nach tragischer Schönheit und Heiligkeit und Wagners tragische Vollendung der Liebe im Tod: »Ich will Theater machen wie eine Stierkämpferin. Ich bin immer auf der Suche nach dem erhabenen Moment, nach Verklärung, nach überschwänglicher Begeisterung, nach Strahlen und Licht, nach dieser lyrischen Verwandlung, die stattfindet, wenn man liebt«. Sie beschwört die Figur des Stiers und des Stierkämpfers und spiegelt sich in beiden: Sie ist Liebende und Geliebte zugleich, stellt sich ihren finstersten Abgründen, ihrer rasenden Leidenschaft und Todessehnsucht, beschimpft ihr Publikum und die Kultur unserer Gegenwart, die den Bezug zum Mythos und zur Transzendenz verloren hat. Liddell selbst und ihre Texte, in denen sie schreiend, stotternd und flüsternd die Liebe und den Tod beschwört, stehen im Zentrum des Bühnengeschehens. Mit bildgewaltigen Anleihen an eine spanische Stierkampfarena und katholisch-kirchliche Riten ist die Inszenierung wie ein Beschwörungsritual aufgebaut.

Text, Regie, Bühne, Kostüm: Angélica Liddell
Licht: Mark Van Denesse
Ton: Antonio Navarro
Kostüm: Justo Algaba

Mit: Ezekiel Chibo, Angélica Liddell, Borja López, Gumersindo Puche, Palestina de los Reyes, Patrice Le Rouzic und Statist_innen

Triggerwarnung: In der Vorstellung kommt es zur expliziten Darstellung von autoaggressiver Gewalt.

Dauer: ca. 120 Minuten


Produktion: NTGent, Atra Bilis
Koproduktion: Festival d’Avignon, Tandem Scène nationale Arras-Douai, Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt)

Mit freundlicher Unterstützung von:
l’Onda – Office national de diffusion artistique

FIND wird gefördert aus Mitteln des Landes Berlin, Senatsverwaltung für Kultur und Europa

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