07.12.2018, 21.00 – 22.45

Shakespeare’s Last Play

von Dead Centre
nach »Der Sturm« von William Shakespeare
Regie: Bush Moukarzel, Ben Kidd
Uraufführung


Aus dem Englischen von Gerhild Steinbuch

»In der Geschichte von Kunst sind Spätwerke die Katastrophen.« (Theodor Adorno)

Shakespeares letztes Stück »Der Sturm« spielt nirgendwo. Der Zauberer Prospero – man nimmt an, dass dies auch Shakespeares letzte Rolle als Schauspieler war – beherrscht eine namenlose Insel, einen Ort, an dem die dort Gestrandeten Langeweile, Schrecken, Trauer, Euphorie und Verzweiflung erleben. Anders gesagt: sie sind im Theater. Manche Leute behaupten, dass »Der Sturm« Shakespeares Abschied von der Kunst darstellt. Mithilfe der Figur des Prospero versammelt er die ganze Welt auf einer Bühne und fleht sie an, ihn loszulassen. Doch die Kunst scheint nicht gewillt, ihm diese Freiheit zu gewähren – der Tod des Autors wird nicht zugelassen – und 402 Jahre nach Shakespeares Tod halten wir ihn immer noch am Leben, womöglich gegen seinen eigenen Willen. Die Menschheit beharrt auf ihren Göttern. Heiner Müller hat einmal gesagt: »Wir sind bei uns nicht angekommen, solange Shakespeare unsre Stücke schreibt.« Vielleicht ist die Zeit für Shakespeares letztes Stück gekommen. »Der Sturm« zeigt uns eine Welt voller verirrter, verlorener Menschen, die Mühe haben zu verstehen, wo sie sind. Prospero wacht über sie, kennt alle ihre Schritte – während wir zusehen, wie sie unaufhaltsam dem Ende entgegen gehen. Shakespeare hat uns gezeigt, dass, unabhängig von der Rolle, egal ob König oder Bettler, die ganze Menschheit sich in der Demokratie des Grabs wiedertrifft.

Dead Centre haben ihren Sitz in Dublin. Sie präsentierten bisher vier Arbeiten, mit welchen sie durch Europa, Australien und Nordamerika tourten. Im Zuge des FIND Festival waren bisher drei Produktionen von Dead Centre an der Schaubühne zu sehen: »Chekhov’s First Play« und »LIPPY« (2016), sowie »Hamnet « (2017).

www.deadcentre.org

Trailer



Interview



Regie: Ben Kidd, Bush Moukarzel
Bühne: Chloe Lamford
Kostüme: Nina Wetzel
Video: José Miguel Jiménez González
Sounddesign: Kevin Gleeson
Dramaturgie: Nils Haarmann
Licht: Norman Plathe

Alonso: Thomas Bading
Gonzalo: Moritz Gottwald
Miranda: Jenny König
Antonia: Nina Kunzendorf
Ferdinand: Mark Waschke

Stimme: Bush Moukarzel

Dauer: ca. 105 Minuten

Premiere war am 24. April 2018


Achtung: Bei dieser Vorstellung kommen Stroboskopeffekte zum Einsatz.