17.12.2018, 19.30

Streit ums Politische: Erinnerung ans Proletariat. Von der sozialen Bestreitung der Demokratie

Heinz Bude im Gespräch mit Patrick Eiden-Offe


Während im 19. Jahrhundert noch Zuversicht herrschte, dass ein endlich durchgesetztes allgemeines Wahlrecht der proletarischen Mehrheit unausweichlich zur Macht verhelfen werde, wurden später diverse Formen »echter« Demokratie propagiert: Rätedemokratie, »direkte« Demokratie, »Wirtschaftsdemokratie« und von postmarxistischer Seite aus eine »radikale Demokratie«. Neben oder gegen die Parteiform wurde wieder stärker die Bewegung in ihrer antiinstitutionellen Kraft beschworen. In unseren Tagen hat sich die Rhetorik umgekehrt: Gegen »Scheindemokratie« und »Establishment« wettert heute eine Rechte, die sich vielerorts zudem als Vertreter der »kleinen Leute« geriert. In dieser Situation traut sich auf der Linken kaum noch jemand, die parlamentarische Demokratie ernsthaft in Frage zu stellen. Es ist also Zeit für eine abwägende und prüfende Erinnerung an die proletarischen Wurzeln einer möglichen Kritik der Demokratie. 
 
Patrick Eiden-Offe, geboren 1971, ist Literatur- und Kulturwissenschaftler. Seit 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt »Theoriebildung im Medium von Wissenschaftskritik« am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin. Zuletzt erschienen: »Die Poesie der Klasse. Romantischer Antikapitalismus und die Erfindung des Proletariats« (2017).

In Zusammenarbeit mit der