22.11.2021, 19.30 – 21.00
Livestream

6€/ erm. 3€

Streit ums Politische: »Orte der Produktion von Ruhm«

Heinz Bude im Gespräch mit Barbara Stollberg-Rilinger


Ruhm wird an bestimmten Orten erzeugt. Das sind heute weniger die einsamen Orte der Schreibenden, die in Hotels, in Cafés oder in Holzhäusern am Meer ihrem armen Werk nachgehen. Es sind die Advanced Studies Institute überall auf der Welt, wo sich ausgewählte Wissenschaftler_innen treffen, um in zweckfreier Forschung um ihren Ruhm in der Nachwelt zu konkurrieren. Im offenen Gespräch jenseits der Genzen von Wissenschaftskulturen sollen sich unerwartete Erkenntnisse herausschälen, die den Ruhm des Ortes und der dort Anwesenden begründen. Vielleicht wird im Geiste des entlegenen Ortes ein Opus Magnum abgeschlossen oder ein bahnbrechender Aufsatz verfasst. Dann könnte ein Honorary Fellowship den Ruhmgewinn zum Ausdruck bringen.

BARBARA STOLLBERG-RILLINGER hat als Historikerin der frühen Neuzeit preisgekrönte Bücher wie »Des Kaisers alte Kleider« oder »Maria Theresia« herausgebracht und ist seit 2018 Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin.

Streit ums Politische 2021/22: »Ruhm«

Heinz Bude im Gespräch mit seinen Gästen

Gerühmt werden heute die Held_innen des Widerstands, die Maler_innen des Unsichtbaren und die Dichter_innen des Unwahrscheinlichen. Ruhm ist eine hohe Form der Anerkennung. Denn der Ruhm soll unvergänglich sein. Jemand wie Horaz wollte sich mit Worten selbst ein Denkmal setzen, das »dauernder als Erz« ist, aber der Ruhm wird einem am Ende von der Nachwelt verliehen. Worin bestehen die Ruhmestaten? Wer sorgt für die Ruhmesworte? Wie wird der Ruhm verwahrt? Und vor allem: Warum wird heute wieder gerühmt? In einer Welt der vielfältigen Vergänglichkeiten (ökologischer, kapitalistischer, moderner Art) entsteht anscheinend der Traum vom unvergänglichen Weiterleben, der einzelne Menschen hervorhebt, die etwas gewagt, etwas geschaffen und etwas in die Welt gebracht haben. Heinz Bude lädt wieder vier Gesprächspartner_innen ein, mit denen er diese merkwürdige Sache des Ruhmes erörtern wird.

»Streit ums Politische« ist eine politische Diskussionsreihe mit Heinz Bude an der Schaubühne, die seit der Spielzeit 2011 / 12 regelmäßig stattfindet. Jeweils zu Beginn einer neuen Spielzeit werden an vier Terminen ein oder mehrere Gäste eingeladen, die zu unterschiedlichen Aspekten des gewählten Themas diskutieren.

Heinz Bude wurde 1954 in Wuppertal geboren. Er lebt seit 1974 in Berlin und ist seit 2000 Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel. Er beschäftigt sich mit den Veränderungen sozialer Ungleichheit und was diese für die Selbstgegebenheit von Gegenwartsgesellschaften bedeutet. 2014 ist »Gesellschaft der Angst« erschienen, das inzwischen in der sechsten Auflage vorliegt, 2016 »Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen«, 2018 »Adorno für Ruinenkinder. Eine Geschichte von 1968« und 2019 »Solidarität. Die Zukunft einer großen Idee«. Im vergangenen Jahr erschien sein Roman »Aufprall «, den er gemeinsam mit Bettina Munk und Karin Wieland verfasst hat.


In Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung

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