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Turista

von Marius von Mayenburg
Regie: Luk Perceval


Uraufführung
Auf Deutsch und Niederländisch mit Übertiteln
Übersetzung ins Niederländische: Wim Van Gansbeke
Koproduktion mit Het Toneelhuis Antwerpen und Wiener Festwochen

Es ist ein dumpfheißer Sommer, auf den Weiden um den Campingplatz herum bringt irgendjemand jede Nacht eine weitere Kuh um, die Drillinge kriegen Durchfall und das Bier wird warm. Hinten gibt es einen Fluss, da kann man die Flaschen hineinlegen, damit sie kühl bleiben; wenn der zurückgebliebene Bruder der Drillinge das macht, schwimmt manchmal die ganze Kühlbox mit dem Bier davon, dann gibt es Ärger. Die Erwachsenen gehen sich auf die Nerven und weil sie verschiedene Sprachen sprechen, können sie ungeniert in voller Lautstärke übereinander abkotzen. Erst wirft man noch mit verkohlten Würstchen nach einander, später sind es Bierflaschen, man jagt sich gegenseitig mit Brennspiritus den Grill in die Luft, zieht den andern die Heringe aus dem Boden, dass die Zelte über den Köpfen zusammenkrachen, oder nimmt die Keile unterm Campingwagen weg, damit er in den Fluss rollt. Hinter dem Zaun glotzen die Einheimischen und putzen ihre Flinten für die Vogeljagd. Irgendwann werden sie über den Zaun steigen und die Zelte verwüsten und die Bierkisten klauen, und vielleicht wird bei diesem barbarischen Überfall auch eine Ladung Schrot im Hintern eines Touristen landen.
Zwischen der pubertierenden Tochter der einen Familie und dem Ältesten der anderen aber entsteht eine zarte Ferienromanze, die von vornherein den Reiz des Tragischen hat, weil die beiden wissen, dass sie sich am Ende der Schulferien wieder werden trennen müssen. Inmitten der räudigen, geschlechtskranken Alten wächst hier also eine fiebrige, gefährdete Leidenschaft. Eines Tages verschwindet der idiotische Bruder der Drillinge. Er wird nicht besonders vermisst, weil eh so viele Kinder da sind – wenn morgens der Reißverschluss aufgeht, fragt man sich, wie die alle ins Zelt gepasst haben –, aber ein paar Tage später wird die Leiche des Jungen ans Ufer des Flusses gespült und die Ferienidylle zerplatzt. Alle sind verdächtig, die Einzelkindfamilie, weil sie mit der kinderreichen im Krieg gelebt hat, die Einheimischen von hinter dem Zaun, die in ihren Gewaltexzessen vielleicht einen Schritt zu weit gegangen sind. Vielleicht haben aber auch die gestörten Drillinge ihren Bruder beim Indianerspielen an einen Baum gefesselt und ihn da vergessen und aus Angst vor den Eltern tagelang nichts gesagt, bis sie ihn nur noch tot in den Fluss schmeißen konnten. Man wird nicht erfahren, warum der Kleine sterben musste, genausowenig wie man erfährt, wer nachts die Kühe absticht. Man wird nur wissen, dass diese Menschen verreist sind, um ihren Problemen zu entkommen, und es nicht geschafft haben, weil sie selbst das Problem sind. Vielleicht kommt ja am Ende ein tröstlicher Regen, der die Zelte weg in den Fluss schwemmt und das Feuer im Grill löscht.

»Turista« ist die in Mexiko übliche Bezeichnung für Reisediarrhö.

Weitere Infos unter:
www.lukperceval.be

Regie: Luk Perceval
Bühne: Anette Kurz
Kostüme: Ilse Vandenbussche
Musik: Laurent Simonetti
Projektionsdesign und Programmierung: Philip Bußmann
Dramaturgie: Maja Zade
Video: Philip Bußmann
Licht: Mark Van Denesse

Tom: Erik Van Herreweghe
Sylvie: Isabella Van Hecke
Bert: Ruud Gielens
Dani: Jan Bijovet
Flo: Jan Van Hecke
Nadine: Femke Heijens
Oli: Benny Claessens
Hermann: Matthias Matschke
Elvira: Ursina Lardi
Sonja: Yvon Jansen
Dietmar: Thomas Bading
Monika: Steffi Kühnert
Ralf: David Ruland
Karin: Christina Geiße
Julia: Abke Haring
Josef: Maarten Westra-Hoeksma
Gil: Hans Van Dam
Bol: Jos Van Gorp
Vlad: Steve Arnouts
Frau Dr. Schnoock: Judith Engel
Achim: Robert Beyer
Peter: Bruno Cathomas
Andi: André Szymanski
Ferdinand: Mark Waschke



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