Festival Internationale Neue Dramatik 2026
16. bis 26. April

Das FIND bringt im Frühjahr 2026 wieder zeitge- nössisches Autor_innen-Theater aus den unterschied- lichsten Teilen der Welt nach Berlin. Elf Tage lang zeigen wir Arbeiten namhafter Regisseur_innen und Autor_innen und Neuentdeckungen – dieses Jahr u.a. aus Brasilien, Kanada, Großbritannien, Italien und Norwegen.

Auch in dieser Festivalausgabe stellen wir eine herausragende künstlerische Person vor: Die britische Regisseurin Katie Mitchell ist Artist in Focus beim FIND 2026. Sie war Hausregisseurin der Royal Shakespeare Company und am Royal Court Theatre in London und inszeniert regelmäßig am National Theatre in London, an dem sie auch Teil der Künstlerischen Leitung war. Sie hat quer durch Europa und darüber hinaus zahlreiche Opern- und Schauspielinszenierungen verantwortet und wurde vielfach für ihr Werk ausgezeichnet, das insbesondere durch eine innovative Verbindung zwischen Schauspiel, Szenografie und Live-Video gekennzeichnet ist. Inhaltlich interpretiert sie kanonische Texte durch originelle Perspektivwechsel feministisch neu und arbeitet häufig mit jungen Autorinnen zusammen.

Seit 2010 arbeitet sie regelmäßig mit dem Ensemble der Schaubühne. Im Rahmen des Festivals zeigen wir eine Bühnenfassung des Texts »Bluets« der US-amerikanischen Autorin Maggie Nelson, adaptiert von der irischen Dramatikerin Margaret Perry. In ihrem literarischen Werk umkreist Nelson in 240 Prosaminiaturen die Farbe Blau. Doch hinter allem Nachsinnen über die Farbe verbirgt sich die Geschichte einer tragischen Liebe.

Mitchells neueste Inszenierung »Cow | Deer«, die sie gemeinsam mit Nina Segal und Melanie Wilson erarbeitet hat, wagt ein Experiment: Mit Klängen und Geräuschen, aber ohne Sprache, erzählen vier Performer_innen aus dem Leben einer Kuh und eines Rehs. Damit setzt Katie Mitchell ihre Auseinandersetzung mit Natur, Umwelt und Klimafragen fort und blickt auf eine Welt jenseits menschlicher Perspektiven. Die Klanglandschaft entsteht live und ermöglicht dem Publikum, die Welt so zu hören, wie sie ein Tier wahrnimmt. Außerdem zeigen wir Mitchells Inszenierung »Orlando« aus dem Repertoire der Schaubühne – eine von Alice Birch nach Virginia Woolfs Roman adaptierte, queere Biografie durch vier Jahrhunderte Menschheits- geschichte.

Zwei Stücke aus Norwegen sind dieses Jahr beim Festival zu Gast. In »Arv og miljø«, einer Adaption des gleichnamigen Romans von Vigdis Hjorth (auf Deutsch erschienen als »Ein falsches Wort«), befragt die Regis- seurin Kjersti Horn die Bedeutung von Wahrheitssuche und Glaubwürdigkeit: Auf einer leeren Bühne steht die Protagonistin Bergljot, die sich nach dem Tod ihres Vaters durch Erbschaftsstreitigkeiten wühlen muss.

Die sie umgebenden Figuren erscheinen ihr und dem Publikum als übergroße Projektionen. Die minimalistische Bühnensetzung ist eindringlich und wirkungsvoll: Nach und nach benennt Bergljot eine jahrzehntelang ver- drängte Wahrheit. »11 years«, geschrieben und inszeniert vom Duo Goksøyr & Martens, besticht ebenfalls durch eine radikale Anordnung: Das Publikum sitzt oberhalb der Bühne und blickt herunter auf einen Schulhof. Über Kopfhörer verfolgen wir Situationen und Gespräche, die uns normalerweise entgehen würden. Das Stück erzählt vom Suizid eines elfjährigen Mädchens und von der Verschiebung von Verantwortungen, die darauf folgt.

Für die kommende Festivalausgabe ist es uns gelungen, eine prägende Arbeit des kanadischen Autors und Regisseurs Robert Lepage nach Berlin einzuladen: »Needles and Opium« erzählt von einem einsamen Mann aus Québec, der in einem Hotel in Paris vergeblich versucht, seinen ehemaligen Geliebten zu vergessen. Diese Liebessucht spiegeln zwei weitere Erzählstränge: Jean Cocteaus Abhängigkeit vom Opium und die von Miles Davis vom Heroin. Akrobatisch verschneidet Lepage Räume, Bilder und Zeiten und erzählt von Cocteaus Faszination und Ernüchterung bei seiner Reise 1949 nach New York, ebenso wie von Davis’ zeitgleichem Aufenthalt in Paris, der die Jazzfans begeistert und die Musik auf dem alten Kontinent nachhaltig verändert.

Das italienische Theaterkollektiv Kepler-452 kehrt mit einer neuen Arbeit zum Festival zurück. Das Dokumentartheaterstück »A Place of Safety« führt uns auf ein Such- und Rettungsschiff ins Mittelmeer, um aus erster Hand zu verstehen, was auf der tödlichsten Migrationsroute der Welt geschieht. Die Inszenierung ist das Ergebnis einer Feldforschung: Die Regisseure Enrico Baraldi und Nicola Borghesi begleiteten die Crew-Mitglieder von Life Support, dem EMERGENCY- Schiff und Sea-Watch, die nun wiederum als sie selbst auf der Bühne stehen. Sie berichten von ihrem Entschluss, Menschen auf hoher See zu retten, und dem Alltag auf den Schiffen der zivilen Seenotrettung.

Der brasilianische Performer und Regisseur Clayton Nascimento beschloss, nachdem Fußballfans Schwarze Spieler als »Macacos« (»Affen«) beschimpften, einen Monolog mit genau diesem Titel zu entwickeln. Er durchmisst darin als bloßer Körper auf einer leeren Bühne die rassistische Geschichte Brasiliens: Vom portugiesischen Kolonialismus und der Sklaverei bis zum Alltagsrassismus und der Polizeigewalt unserer Gegenwart.

Außerdem zeigen wir aus dem Repertoire der Schaubühne im Rahmen des Festivals die deutsche Erstaufführung des neuen Stücks von Dramatiker und Regisseur Marius von Mayenburg: »Egal« und »Die Seherin«, die neueste Produktion von Autor und Regisseur Milo Rau.

 

 

Das FIND wird gefördert aus Mitteln des Landes Berlin, Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhang.