Festival Internationale Neue Dramatik
31. März – 10. April 2022

Das Festival Internationale Neue Dramatik kehrt im Jahr 2022 zu seinem angestammten Termin im Frühling zurück. Vom 31. März bis 10. April werden bei FIND wieder Inszenierungen der internationalen Theaterszene zum ersten Mal vor einem deutschen Publikum aufgeführt. Nach der pandemiebedingt in den Oktober 2021 verschobenen vergangenen Ausgabe, knüpft das Festival nun wieder an seine eigentliche Tradition an: neue Werke aus weiten Teilen der Welt zu zeigen. Beson- dere Aufmerksamkeit widmet das diesjährige Festival dabei »den Amerikas«, von Kanada über die USA bis nach Chile, und daneben den zwei französischsprachigen Ländern Belgien und Frankreich.

Artist in Focus: Robert Lepage

In seiner kommenden Ausgabe widmet FIND erneut einer wichtigen Figur des internationalen Theaters einen Schwerpunkt: Im Zentrum steht diesmal der Theaterregisseur, Autor, Schauspieler und Filmemacher Robert Lepage (Québec).

Lepages Werk ist in seiner umfassenden Ausschöpfung der theatralen Mittel einzigartig und prägend für mehrere Generationen von Theaterschaffenden. Sein Werk verbindet Spielfreude und Humor mit Tragik sowie atemberaubende Bildgewalt mit einer streng durchdachten Ökonomie der dramaturgischen und szenischen Mittel.

Erstmals in Berlin zu sehen ist eines von Lepages jüngsten Werken, das Monodrama »887«. Lepage, selbst Darsteller auf der Bühne, unternimmt darin eine Reise in sein eigenes Gedächtnis. Das Wiedererleben der Kindheit und ihrer Peripetien wird zur Reflexion über die Mechanismen der Erinnerung. Dabei beleuchtet Lepage zugleich den gemeinsamen Urgrund von Gedächtnis und Theater.

In »The Seven Streams of the River Ota«, entstanden zwischen 1994 und 1996, erweckt Lepage für FIND ein Meisterwerk seiner frühen Jahre wieder zum Leben. Die titelgebenden sieben Arme des japanischen Ota-Flusses inkarnieren sich in sieben Geschichten, die stellvertretend die großen Plagen der Menschheit im halben Jahrhundert von 1945 bis 1995 vorführen: vom Atombombenabwurf in Hiroshima bis zur AIDS- Epidemie und den viralen Bedrohungen des ausgehenden Millenniums.

Darüberhinaus werden Filmaufnahmen und Dokumentationen seiner Arbeit im Rahmen des Festivals im Theater und online gezeigt.

Internationales Panorama

In »Until the flood« erforscht Dael Orlandersmith auf der Basis von Interviews mit Zeugen und Betroffenen die Hintergründe der Unruhen in Ferguson, Missouri, nach der Erschießung des Jugendlichen Michael Brown. Das von ihr selbst performte Resultat der Recherchen gibt der Bewegung Black Lives Matter ein szenisches Gesicht. Auch auf dokumentarischer Grundlage entwickelt Tina Satter (New York) in »Is this a room« das Porträt einer Whistleblowerin.

In »Kingdom« von Anne-Cécile Vandalem (Brüssel) wird für eine Familie die neue Heimat abseits der Zivilisation zur Hölle. In »Fraternité. Conte fantastique« (Brüderlichkeit. Fantastische Geschichte) erzählt Caroline Guiela Nguyen (Paris) von Überlebenden einer Katastrophe, die ihre Nächsten verloren haben und sich gegenseitig helfen, mit dem Verlust umzugehen.

Im Studio der Schaubühne wird mit »L’aventure invisible« zudem die neueste Produktion von Marcus Lindeen (Paris/ Stockholm) zu sehen sein, der sich anhand dreier realer Fall- geschichten mit Fragen über Identität, Tod und Transformation beschäftigt.

Neue Dramatik an der Schaubühne

Mit der Koproduktion »El Oasis de la Impunidad« setzt die Schaubühne ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem chi- lenischen Regisseur und Autor Marco Layera fort. In seiner neuesten Produktion mit seiner Kompagnie La Re-Sentida (Santiago de Chile) setzt er sich mit der Rebellion in Chile im Jahr 2019 und der Wirkung von Gewalt auf der Straße und der Bühne auseinander.

Mit »Erinnerung eines Mädchens« feiert im Studio zudem die erste Regiearbeit von Sarah Kohm (Berlin) an der Schaubühne ihre Premiere.
Aus dem Repertoire ist
Maja Zades neuestes Stück »reden über sex« in der Inszenierung von Marius von Mayenburg zu sehen.

 

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