Festival Internationale Neue Dramatik 2024
vom 18. bis 28. April

Wir begrüßen Sie herzlich zum Festival Internationale Neue Dramatik (FIND). Vom 18. bis 28. April 2024 zeigt das FIND zeitgenössisches Theater aus verschiedensten Teilen der Welt. Darunter sind neue Texte und Inszenierungen, Stückentwicklungen und dokumentarische Projekte, gleichermaßen von namhaften Künstler_innen wie von bisher unbekannten Gruppen.

Die Programmzeitung zum FIND 2024 können Sie hier als PDF downloaden.

 

ARTIST IN FOCUS

Erneut rückt das FIND das Werk einer bedeutenden künstlerischen Persönlichkeit als Artist in Focus ins Zentrum. Diese Ausgabe ist dem britischen Dramatiker und Regisseur Alexander Zeldin (London/Paris) gewidmet. Den internationalen Durchbruch erfuhr er mit seiner Trilogie der Ungleichheiten: »The Inequalities«. Darin schafft Zeldin ein Triptychon der britischen Gesellschaft im Zeitalter eines von der Politik kaputtgesparten Sozialsystems. Nach »Beyond Caring« und »LOVE« ist beim FIND nun
der dritte Teil zu sehen: »Faith, Hope and Charity« (London). Es spielt in einem Nachbarschaftszentrum, welches von der Schließung bedroht ist – und doch ein Ort des solidarischen Zusammenlebens bleibt. In seiner neuesten Inszenierung »The Confessions« (London / Paris) erkundet Zeldin die Lebenslinien seiner eigenen Mutter und zeichnet das Bild einer persön- lichen und politischen Emanzipation. Dane- ben wird erstmals in Deutschland Zeldins eigene Verfilmung seines Stückes »LOVE« zu sehen sein, gefolgt von einem Werkstatt- gespräch mit dem Künstler, in dem er einen tieferen Einblick in Hintergründe und Zusammenhänge seiner Arbeit gibt.

INTERNATIONALES PANORAMA

Zum ersten Mal stellt das FIND gleich drei Inszenierungen in portugiesischer Sprache vor. Bei unserem Festival rücken diese – vor dem Hintergrund des 50. Jahrestags der »Nelkenrevolution« am 25. April 2024 – in einen gemeinsamen Kontext. Die Revolution läutete gleichermaßen das Ende der letzten faschistischen Regime in Europa wie auch des europäischen Kolonialismus in Afrika ein. Doch was ist von den Utopien des demokratischen Umbruchs ein halbes Jahrhundert später noch übrig? Welche Zukunft liegt im Zeitalter eines weltweiten rassistischen Rechtsrucks und der Selbstabschottung Europas vor den Migrationsströmen vor uns?

»Catarina e a beleza de matar fascistas« (Lissabon) des Autors und Regisseurs Tiago Rodrigues begegnet in Form einer grotesken Fabel dem antifaschistischen Erbe Portugals. Eine widerständige Familie hat ein Ritual entwickelt: »die Schönheit, Faschisten zu töten«. Ein Exemplar wird alljährlich gefangen und erschossen. Doch Widerstand gegen die Gewalt regt sich plötzlich auch in den eigenen Reihen. Was wird nun aus der heroischen Tradition? Und was, wenn ein neuer Faschismus genau diesen Humanismus als Schwäche ausnutzt?

Die Relikte des portugiesischen Kolonialismus in der Gegenwart verfolgt Marco Martins in »Pêndulo« (Lissabon). Mit seinen Protagonis-tinnen und Ko-Autorinnen aus den einstigen Kolonien in Afrika und Lateinamerika, die heute als Pflege- und Reinigungskräfte in Portugal arbeiten, entwirft er ein Panorama der Gesellschaft in Bewegung des titelgebenden »Pendelns«.

Aus Brasilien, das bis heute mit der Bewältigung seines patriarchalen Kolonialerbes zu kämpfen hat, ist »Manifesto Transpofágico« (São Paulo) von und mit Renata Carvalho zu sehen, das die Lebensrealität der täglich von Gewalt bedrohten »travestis« beleuchtet.

In »Not One of These People« (Québec / London) kehrt ein zentraler Autor der Gegenwartsdramatik an die Schaubühne zurück: Martin Crimp. Diesmal auch als Performer unter der Regie von Christian Lapointe. Auf der Bühne löst Crimp durch ein Deepfake-System Videostatements von Personen aus, die von einer künstlichen Intelligenz generiert wurden.

Das italienische Kollektiv Kepler-452 unternimmt mit »Il Capitale – un libro che ancora non abbiamo letto« (Bologna) den Versuch, »Das Kapital« von Marx auf die Bühne zu bringen. Ironischerweise handelt es sich dabei um ein Buch, das die Besetzer_innen einer Fabrik in Italien nie gelesen haben. Das Stück beruht auf einem aktuellen Ereignis und wirft Fragen zur Aktualität des Klassenkampfs und dessen Darstellung auf der Bühne auf.

Das Theater KnAM aus Russland erforscht mit »Моя маленькая Антарктида (My Little Antarctica)« (Komsomolsk am Amur/Lyon) die verdrängten Ursprünge ihrer am östlichsten Ende des Landes gelege- nen Heimatstadt in den Deportationen des Gulag. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nach Frankreich geflüchtet, schreibt die Gruppe in der Neufassung ihres Stücks – ursprünglich geplant für das ausgefallene FIND 2020 – die gespenstische Kontinuität der Gewalt in Putins Russland aus dem Exil fort.

NEUE DRAMATIK AN DER SCHAUBÜHNE

Über die internationalen Gastspiele hinaus sind beim FIND 24 auch Produktionen neuer Dramatik mit dem Ensemble der Schaubühne aus dem aktuellen Repertoire zu sehen. Im Rahmen des Fokus auf Alexander Zeldin zeigen wir seine Inszenierung von »Beyond Caring« sowie außerdem Falk Richters Stück »The Silence«, das an der Schaubühne in dieser Spielzeit zur deutschen Erstaufführung gebracht wurde und als eine der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen der Saison zum Theatertreffen eingeladen wurde.

RAHMENPROGRAMM

Wir freuen uns wieder auf Publikumsgespräche mit den am Festival beteiligten Künstler_innen und begleitende Diskursveranstaltungen. In Anknüpfung an den Jahrestag der Nelkenrevolution führen wir eine Diskussionsrunde zum neuen Faschismus in Europa sowie, die Bühnenadaption von »Das Kapital« weiterführend, einen deutsch-italienischen Dialog zu Perspektiven der Vergesellschaftung – und zur Aktualität des dem Abend titelgebenden Buches. Nicht zuletzt bieten die Parties mit DJ marsmaedchen und DJ Preller auch wieder den Rahmen für gemeinsames Feiern.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Festival!

 

 

Das FIND wird gefördert aus Mitteln des Landes Berlin, Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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