09/02/2026 > Streitraum an der Schaubühne steht vor dem Aus

Die Fortsetzung der erfolgreichen Diskursreihe Streitraum ist nach der plötzlichen Absage der langjährigen Förderung durch die Bundeszentrale für Politische Bildung ungewiss. Die bereits für die kommende Spielzeit geplanten Ausgaben können ohne eine alternative Förderung nicht stattfinden. Eine kurzfristige Ersatzförderung ist aufgrund der langen Vergabefristen und der anhaltenden drastischen Kürzungen im Kulturbereich extrem schwierig. Die Schaubühne setzt alles daran, das Format perspektivisch zu erhalten. Bis eine neue Förderung gefunden ist, muss der Streitraum aussetzen. Am 25. Oktober wird es eine vorerst letzte, improvisierte Ausgabe des Streitraum geben. Darin spricht Carolin Emcke über die Hoffnung in hoffnungslosen Zeiten.  

Mit einer Absage des Streitraum ginge eines der erfolgreichsten Diskursformate der Stadt verloren. Über zwanzig Jahre hat der Streitraum einen eigenen Standard gesetzt für ruhiges, zugewandtes, multiperspektivisches Nachdenken auf der Bühne. In Zeiten, in denen eine fragmentierte Öffentlichkeit und wechselseitiges Misstrauen die Gesellschaft prägen, ist es damit gelungen, wieder Vertrauen in öffentliche Gespräche zu schaffen.

Der Streitraum hat es geschafft, seit seinem Beginn im Jahr 2000 ein Publikum zu gewinnen und an sich zu binden, das wieder und wieder an einem kontinuierlichen Dialog teilhaben will. Die Veranstaltungen in der Schaubühne sind stets innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Seit 2020 wird der Streitraum darüber hinaus live gestreamt und erreichte damit 2025 zusätzlich rund 23.000 Zuschauer_innen.

„In Zeiten der Bedrohung der Demokratie durch vereinfachtes und schematisches Gut- und Bösedenken ist die Beendigung der Förderung ein katastrophales Zeichen. Besonders, weil der Streitraum versucht, aktuelle Fragen komplexer und mit Zeit zu erörtern.“ (Thomas Ostermeier, künstlerischer Leiter der Schaubühne)

Seit 2004 wird der Streitraum von der preisgekrönten Publizistin und Autorin Carolin Emcke moderiert und kuratiert. Im Gespräch mit Personen aus den verschiedensten Disziplinen und Erfahrungsräumen werden aktuelle politische und gesellschaftliche Themen behandelt. Carolin Emcke ist eine der profiliertesten Intellektuellen Deutschlands. 2016 wurden sie u.a. mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog und zum Frieden geehrt.
 
Gäste des Streitraums waren bisher u. a. Richard Sennett, Herfried Münkler, Eva Illouz, András Schiff, Ágnes Heller, Seyla Benhabib, Christoph Möllers, Didier Eribon, Monika Grütters, Seyran Ates, Eva von Redecker, Nicole Deitelhoff, Bernhard Pörksen, Jens-Christian Wagner und Gesche Joost.

Der Streitraum wurde seit 2006 von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Nach einem Leitungswechsel im März 2026 wurde die Förderung kurzfristig nicht verlängert. Der bereits geplante Streitraum der Spielzeit 2026/27 sollte unter dem Oberthema »Prinzip Hoffnung oder: das (Un-)Mögliche denken« stehen und die Hoffnung wieder in den öffentlichen Diskurs holen.

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