09/09/2019, 19.30

Streit ums Politische: Hohezeit des Alleinseins oder Epidemie der Einsamkeit?

Heinz Bude im Gespräch mit Janosch Schobin (Autor und Soziologe)


Einsamkeit ist für die meisten ein Zustand des Leidens an der Gesellschaft. Man fühlt sich entbettet, isoliert und alleingelassen. Resignation mischt sich mit Wut, und dieser Gefühlszustand kann sich in einem monströsen Verhalten der Anklage entladen. Allerdings gibt es auch in allen Kulturen Traditionen der Pflege des Alleinseins, weil einem nur ein gewisser Rückzug von der Welt einen Zustand innerer Gesammeltheit ermöglicht. Mit dieser Ambivalenz der Einsamkeit hat sich Janosch Schobin beschäftigt: Einsamkeit ist Drohung und Versprechen zugleich. Eine Lebensweise, die die Menschen in die Ich-Einsamkeit treibt, kommt einem genauso unmenschlich vor wie eine, die den Einzelnen keinen Raum und keine Zeit zum Alleinsein lässt.

Janosch Schobin, geboren 1981, studierte Soziologie, Mathematik und Hispanistik an der Universität Kassel und war bis 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung. Seit 2015 Nachwuchsgruppenleiter am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel. Er forscht zur Soziologie der Freundschaft, Sozialen Netzwerktheorie, Sozialen Isolation, Familiensoziologie, Thanato-Soziologie sowie Arbeits- und Spielsoziologie. Zuletzt erschienen: »Freundschaft heute« (2018).


In Zusammenarbeit mit der