12/13/2020, 12.00

6 € / red. 2 €

Streitraum: »Rassismus und Rechtsextremismus bei der Polizei – wer schützt wen?«

Carolin Emcke im Gespräch mit Margarete Koppers (Generalstaatsanwältin
Berlin), Tobias Singelnstein (Professor für Kriminologie an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum), Tahir Della (Pressesprecher Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. / Promotor für Postkolonialismus und Antirassismus), u. a.
Saal B


Ob Drohbriefe mit der Unterschrift »NSU 2.0«, die von Polizeicomputern verschickt werden, Chat-Gruppen, die rassistische und antisemitische Bilder und Texte austauschen oder stockende Ermittlungen bei einer rechtsextremistischen Anschlags-Serie – in den vergangenen Monaten wurden alarmierend oft rechtsradikale Tendenzen und Netzwerke innerhalb der Polizei enttarnt. Welche ideologischen, welche praktischen Muster lassen sich tatsächlich erkennen? Wie gefährlich ist es für den Rechtsstaat, wenn PoC oder Migrant_innen oder Jüdinnen und Juden sich nicht ausreichend beschützt fühlen? Was muss sich innerhalb der Polizei-Ausbildung verändern, damit rassistische, autoritäre Ideologien gar nicht erst so virulent werden …

Streitraum 2020/21: Die andere Schock-Therapie – welche Gesellschaft wollen wir »nach« COVID-19 sein?

Die Krise der Pandemie wirkt wie ein Kontrastmittel, das in die Gesellschaft injiziert wurde und sichtbar macht, woran wir leiden, was uns schwächt oder schädigt, aber auch, was unverzichtbar ist, was besser umverteilt, stärker unterstützt oder ausgebaut gehört. Schon vor dem Ausbruch von Corona gab es nicht nur eine soziale Frage, sondern soziale Fragen im Plural: Wie lässt sich die soziale Ungleichheit bekämpfen? Wie die Ausgrenzung ökonomisch und kulturell Marginalisierter gemeinsam verhandeln? Wie wird der Wert der menschlichen Arbeit bemessen im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung? Wie lässt sich die Aushöhlung der öffentlichen Infrastruktur stoppen, die Ökonomisierung aller Lebensbereiche? Wie kann eine ökologische Transformation der Landwirtschaft, der Verkehrspolitik, der Wirtschaft aussehen, die die Kosten gerecht verteilt? Politische Lethargie oder Widerwille haben bislang verhindert, dass diese Fragen beantwortet wurden. Aber einige Parameter des politischen Diskurses haben sich gerade verändert, das neoliberale Dogma der Deregulierung gilt nicht mehr ungebrochen. Wie wichtig soziale Wohlfahrtssysteme sind, wie unverzichtbar Investitionen im Gesundheitswesen und ordentliche Gehälter, aber auch wie antastbar die Schuldenbremse ist, all das lässt sich nicht mehr leugnen.

Wie lässt sich verhindern, dass all diese Lehren sofort wieder vergessen werden, sobald die Krise »vorbei« ist, welche politischen, sozialen Utopien braucht es jetzt, wie soll eine andere Normalität gedacht werden? 

Der Streitraum ist eine monatliche Diskussionsveranstaltung an der Schaubühne und wird seit 2004 von der Publizistin und Autorin Carolin Emcke moderiert und kuratiert. Eingeladen werden Wissenschaftler_innen, Autor_innen, Politiker_innen, Künstler_innen und andere Personen des öffentlichen Lebens. Der Streitraum behandelt in jeder Spielzeit ein anderes Thema. Alle neun Ausgaben werden auch live im Internet übertragen.


Streitraum wird gefördert durch die

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